Noch scheint die Sonne vom blauen Himmel über der Anhöhe Bensbergs. Vor dem Kardinal Schulte Haus aus reicht der Blick weit über die Domstadt, während sich im Inneren vor dem großen Saal nach und nach Unternehmerinnen und Unternehmer, Wegbegleiter, Politiker und frühere Preisträger begegnen, die sich anschließend zum Sektempfang in den Magnolienhof begeben. Hände werden geschüttelt, die Gespräche sind gleich angeregt und setzen genau dort wieder ein, wo sie beim letzten Treffen aufgehört haben. Rund 140 Gäste sind gekommen – und schon beim Empfang wird deutlich: Dieser Abend ist mehr als eine Preisverleihung.
Nach den vergangenen Jahren im Schloss Bensberg hat die Veranstaltung eine neue Kulisse bekommen. Zum ersten Mal findet nun der 6. Rheinisch-Bergische Unternehmerpreis im Kardinal Schulte Haus statt. Am 7. September 2026.
Nach dem Verkauf seiner vorherigen Firma M-Plan in Köln, kaufte Udo Fielenbach im Jahre 2010 die damals angeschlagene Firma joke, die bereits 70 Jahre alt war. 43 Mitarbeitende behielten ihren Arbeitsplatz. Heute beschäftigen die Schwester-Firmen joke Technology GmbH und joke mechanix GmbH rund 150 Mitarbeitende.
Er machte aus dem Handelsunternehmen einen Produktentwickler. Joke Technology ist heute europaweit Marktführer für Produkte zur manuellen Oberflächenfeinbearbeitung. Dies umfasst unter anderem Werkzeuge zum Entgraten, Schleifen, Polieren u.ä.
Dieses unternehmerische Engagement und insbesondere die damit verbundenen Innovationen erfüllen die Kriterien des Rheinisch-Bergischen Unternehmerpreises.
joke Technology GmbH
Asselborner Weg 14 – 16
51429 Bergisch Gladbach
Tel. +49 2204 839-0
info@joke.de
www.joke-technology.com
Die Jury gratuliert: Volker Suermann, Geschäftsführer der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW), Christiane Bechem, Regionalvorständin der Kreissparkasse Köln, Direktion Rhein-Berg, Udo Fielenbach, Landrat Arne von Boetticher (Rheinisch-Bergischer Kreis), Alexander Felsch, Leiter der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der Industrie- und Handelskammer zu Köln, Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land.
Ein Preis, der Unternehmertum sichtbar macht
Pünktlich um 18:30 Uhr strömt die Gästeschar in den angenehm kühlen großen Saal. Moderiert wird der heutige Abend erneut von Guido Wagner, Redaktionsleiter des Kölner Stadt-Anzeigers Rhein-Berg und der Bergischen Landeszeitung, der das Programm gewohnt unaufgeregt zusammenhält. Als der Landrat Arne von Boetticher die Gäste begrüßt, macht er schnell deutlich, worum es an diesem Abend geht. Der Unternehmerpreis zeichnet Menschen aus, die wirtschaftlichen Erfolg mit Verantwortung verbinden – für ihre Mitarbeitenden, ihren Standort und die Gesellschaft zugleich.
Bevor der Preis selbst in den Mittelpunkt rückt, sorgt Kommunikationstrainer und Karnevalist Jörg Runge für einen Perspektivwechsel. Seine Keynote „Unglück ist auch harte Arbeit“ spielt mit der Frage, wie Menschen sich im Berufsalltag manchmal selbst demotivieren. Mit Humor und überraschenden Beispielen, untermalt mit Bildern, bringt er den Saal zum Lachen – und gleichzeitig zum Nachdenken. „Lassen Sie uns mehr erlebbare Erfahrungen machen“, beschließt Jörg Runge. „Sie alle hier inspirieren Menschen und sind Vorbild – und das verbirgt sich auch hinter dem Preis heute.“
Landrat Arne von Boetticher konnte rund 140 Gäste im Kardinal Schulte Haus begrüßen
Jörg Runge, Kommunikationstrainer und Karnevalist hielt die Keynote „Unglück ist auch harte Arbeit“
Für den Mann, der lieber handelt
Als Guido Wagner die Spannung noch einmal kurz aufrechterhält ist der Moment gekommen, dass Landrat Arne von Boetticher schließlich das Geheimnis lüftet: Der 6. Rheinisch-Bergische Unternehmerpreis geht an Udo Fielenbach, Inhaber der joke Technology GmbH aus Bergisch Gladbach. Die Gästeschar applaudiert.
Arne von Boetticher beschreibt einen Unternehmer, der sich selbst nicht in den Vordergrund stellt. Einen, der lieber handelt, als lange darüber zu sprechen. Genau diese Haltung zieht sich durch die Geschichte, die an diesem Abend erzählt wird.
2010 übernimmt Fielenbach die damals angeschlagene joke Technology GmbH. 43 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Sechzehn Jahre später beschäftigen joke Technology und joke mechanix rund 150 Mitarbeitende. Dabei beginnt dieser Weg fast mit einer kleinen Ironie. Nach dem Verkauf seines ersten Unternehmens versucht sich Fielenbach zunächst am Ruhestand – allerdings mit überschaubarem Erfolg. „Selbst der neu angeschaffte Hund,“ erzählt der Landrat schmunzelnd, „hatte irgendwann genug von den ausgedehnten Spaziergängen.“ Auch das Gleitschirmfliegen konnte den Unternehmergeist offenbar nicht dauerhaft beschäftigen. Also beginnt noch einmal etwas Neues. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der die Folgen der Bankenkrise noch deutlich spürbar sind.
Aus einem Handelsunternehmen wird Schritt für Schritt ein Produktentwickler. Heute gilt joke als europaweiter Marktführer für Produkte zur manuellen Oberflächenfeinbearbeitung. Bis zu 140.000 Aufträge gehen dort täglich ein.
Besonders greifbar wird dieser Weg an einem Produkt, das heute weit über Bergisch Gladbach hinaus bekannt ist: der Arbeitsstation ENESKApostpro. Sie wurde für die Nachbearbeitung von 3D-gedruckten Bauteilen entwickelt und verbindet technische Präzision mit Arbeitsschutz. Denn gerade dort, wo gesundheitsgefährdende Stäube entstehen können, schützt die Anlage die Menschen, die täglich mit ihr arbeiten. Für die Jury steht dieses Beispiel sinnbildlich für Fielenbachs unternehmerischen Ansatz. Innovation ist für ihn offenbar kein Selbstzweck. Sie soll den Arbeitsalltag verbessern. Dass diese Idee funktioniert, zeigt auch die Kundenliste: Fraunhofer-Institute, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie Unternehmen wie Mercedes, BMW, Ford, die Formel 1 und Meta setzen auf Produkte aus Bergisch Gladbach.
Udo Fielenbach
„Jede neue Krise hat
immer auch eine
Chance. Die müssen Sie finden.“
Verantwortung endet nicht am Werkstor
Wirtschaftlicher Erfolg allein erklärt die Entscheidung der Jury jedoch nicht. Fielenbach engagiert sich für Ausbildung, Schulen, Sportvereine und die Tafeln der Region. Im Jokeneum, dem Fortbildungszentrum des Unternehmens, erhalten regelmäßig Schülerinnen und Schüler Einblicke in die Arbeitswelt. Seit 2016 waren insgesamt 21 Auszubildende und sechs Umschüler im Unternehmen beschäftigt – die meisten wurden übernommen.
Auch für die Stadt Bergisch Gladbach übernahm Fielenbach Verantwortung. Als ein neues Feuerwehrhaus gebraucht wurde, ließ er eines nach den Vorstellungen der Stadt errichten und vermietet es seit 2020 mit einem langfristigen Vertrag an die Kommune.
Im Unternehmen selbst setzt er auf Vertrauen. Fachwissen soll genutzt, Verantwortung geteilt werden. Führung bedeutet hier offenbar nicht, alles selbst entscheiden zu wollen.
Die Preisträger bisher
- 2015 – Fabian Rensch, DEUTA Group Bergisch Gladbach
- 2017 – Horst Becker, ISOTEC GmbH Kürten
- 2019 – Maryo Fietz, Fietz GmbH Burscheid
- 2021 – musste die Preisverleihung wegen der Pandemie auf 2022 verschoben werden
- 2022 – Monika Gieraths-Heller und Gabriele Gieraths, Gebr. Gieraths GmbH Bergisch Gladbach
- 2024 - Ulrich, Christiane, Fabian und Florian Hamacher, Hamacher GmbH Overath
Kriterien für den Rheinisch Bergischen Unternehmerpreis
- Wirtschaftlicher Erfolg in Verbindung mit der Wahrnehmung regionaler Verantwortung, die sich durch Weitsichtigkeit in Bezug auf Umwelt, Mitarbeiterentwicklung und zukunftsgerechte Produkte zeigt.
- Umsetzung von Innovationen mit der Bewahrung von Traditionen, der Schaffung von Arbeitsplätzen und fairen Arbeitsbedingungen.
- Besonderes Engagement für die Aus- und Weiterbildung, denn sorgfältig ausgebildete Mitarbeiter sind entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft unserer Region.
- Familienfreundlichkeit, beispielgebendes soziales Engagement, und regionale Aktivitäten, wie Wahrnehmung von Ehrenämtern, Sponsoring.
- Nicht zuletzt spielen das Alter, die Größe und die Form des Unternehmens eine Rolle. Mittelständische inhaber- oder familiengeführte Traditionsunternehmen finden dabei eine besondere Berücksichtigung, denn sie haben eine besondere Identifikation mit ihrem Standort.
Alle zwei Jahre verleihen der Rheinisch-Bergische Kreis, die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW), die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, die IHK Köln, Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg sowie die Kreisparkasse Köln – Direktion Rhein-Berg den Rheinisch-Bergischen Unternehmerpreis.
„Das können wir.“
Besonders eindrucksvoll bleibt eine Geschichte aus den Corona-Jahren. Als zu Beginn der Pandemie dringend Schutzmaterial benötigt wurde, erreichte ein Hilfegesuch des Kreises auch Udo Fielenbach. Seine Reaktion beschreibt der Landrat mit einem Satz, der an diesem Abend nachklingt: „Das können wir.“ Innerhalb kürzester Zeit werden Maschinen umgerüstet. Bis zu 36.000 Schutzkittel täglich entstehen – für Feuerwehr, Rettungsdienste, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und die Lebensmittelherstellung. Es ist eine dieser Geschichten, die erst im Rückblick zeigt, wie groß das Risiko damals gewesen ist. „Als Dankeschön für diesen Einsatz hatte der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Udo Fielenbach in das Schloss Bellevue eingeladen,“ erzählt der Landrat.
Ein Sohn erzählt eine andere Geschichte
Den persönlichsten Moment des Abends übernimmt Alexander Fielenbach. Als einer der drei Söhne und bereits Teil der nächsten Generation im Unternehmen hält er die Laudatio auf seinen 69jährigen Vater. Familie und Publikum lauschen gespannt seinen Worten. Er erzählt von dessen beruflichem Weg – von der Bundeswehr über die ersten unternehmerischen Schritte bis zur Übernahme von joke. Gleichzeitig entstehen durch persönliche Geschichten, Fotos und Erinnerungen Einblicke, die weit über eine klassische Laudatio hinausgehen. Es geht um Gleitschirmfliegen und Motorsport, um Höhen und Tiefen, vor allem aber um einen Vater, dessen Umgang mit Menschen und dessen Haltung zur Verantwortung die Familie geprägt haben. Der 34jährige erinnert sich: „Bei uns zu Hause gab es über viele Jahre, und meines Wissens ist das noch heute so, ein festes Ritual: Abends saßen meine Eltern am Wohnzimmertisch und ließen den Tag Revue passieren. So entstanden Gespräche auf Augenhöhe, die nicht nur für meine Eltern selbst wertvoll waren, sondern auch uns Kindern schon früh einen Einblick in die Welt des Unternehmertums ermöglichten.“ Alexander Fielenbach fügt an: „Inzwischen nähern wir uns dem Generationswechsel, damit er zukünftig verdientermaßen etwas kürzertreten kann. Und ich kann für meine Brüder (Anm. der Redaktion: Marc-André Fielenbach, 36, und Max Fielenbach, 30) und mich sprechen, wenn ich sage: Wir freuen uns darauf, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen. Mein Vater ist nicht nur ein Vorbild für die Familie, sondern auch für die Gesellschaft. Diese Auszeichnung steht für uns, wenn ich das sagen darf…“ Er richtet den Blick an seinen Vater, „… stellvertretend für Dein Lebenswerk und für den Mensch, der Du bist.“ Der Applaus des Publikums hält lange an. Gerade weil diese Worte aus der Familie kommen, bekommt die Auszeichnung noch einmal eine andere Tiefe. Und was sagt Udo Fielenbach? „Ein sehr beeindruckender Preis und ebenso die Veranstaltung aus der Sicht der geladenen Gäste, da auch ich bei früheren Verleihungen war – und erst recht aus der Sicht des Preisträgers.“
Udo Fielenbach erhielt ein Kunstwerk von Claudia Betzin
Ein Stück vom Kreis
Nach den Worten des Juniors überreicht Landrat Arne von Boetticher dem sichtlich bewegten Preisträger die Auszeichnung – die Urkunde und ein Kunstwerk der Bergisch Gladbacher Künstlerin Claudia Betzin. Schon auf den ersten Blick wirkt die Arbeit ungewöhnlich. Sie scheint ein Stück der Region selbst in sich zu tragen.
Das Kunstwerk stammt von Claudia Betzin aus Bergisch Gladbach und gehört zur Serie „Kreise öffnen“. Der Holzschnitt basiert auf einem Ausschnitt der Landkarte des Rheinisch-Bergischen Kreises. Die Linien greifen Spuren auf, die Betzin bei Wanderungen entdeckt hat – darunter Risse in Asphalt und Gehwegen.
Sie sagt selbst: „Bei dieser Arbeit kommt man auch schnell auf die Assoziation, die Silhouette einer Person zu erkennen und „unter dem oben“, eine darunterliegende Welt, die es zu entdecken gilt.“
Insgesamt trägt das Werk die Region buchstäblich in sich. Gerade der Mittelstand und familiengeführte Unternehmen prägen die Wirtschaftsstruktur der Region.
„Ich habe Demut empfunden.“
Zum anschließenden Get-together verteilen sich die Gäste im Foyer und im Magnolienhof und genießen das Flying Buffet. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Kleine Leuchten auf den Stehtischen draußen schaffen die gemütliche Atmosphäre. Es wird gratuliert, diskutiert und gelacht. Fabian Rensch, der erste Preisträger aus 2015, resümiert: „Die Familie lebt das Unternehmen, das finde ich toll!“
Als ich später Udo Fielenbach noch einmal begegne frage ich ihn, was ihm durch den Kopf ging, als er auf der Bühne den Preis in seiner Hand hielt: „Ich habe Demut empfunden und meinen Lebensweg bis zu diesem Preis Revue passieren lassen, mit dem ein oder anderen Highlight.“ Und vielleicht bleibt von diesem Abend am Ende genau das hängen, was der Landrat über Udo Fielenbach sagt: Er macht einfach. Und das in aller Bescheidenheit.
Autorin: Birgit Franke
Fotos: Guido Broich




