Seit 1905 auf Erfolgskurs
Als „Deutsche Tachometerwerke“ gegründet, schrieb DEUTA schon früh Technikgeschichte: 1925 entstand der erste Tachometer für Schienenfahrzeuge. Mit diesem Pioniergeist stellte sich das Unternehmen immer wieder neuen Herausforderungen – von den Wirren des Zweiten Weltkriegs, die einen Umzug ins oberfränkische Schwarzenbach am Wald erzwangen, bis zur Verankerung am Standort Bergisch Gladbach in den 1960er Jahren.
Wachstum durch Wandel
Die Bahnwelt veränderte sich rasant: höhere Geschwindigkeiten, strengere Sicherheitsstandards, zunehmende Internationalisierung. DEUTA reagierte mit Innovationen, die aus dem unscheinbaren Messgerät von einst, hochkomplexe Systeme machten, die Züge auf der ganzen Welt steuern.
120 Jahre Herausforderungen
Jede Epoche brachte eigene Aufgaben: die Anpassung an den Wiederaufbau in den 1950ern, die Technik-Sprünge der ICE-Ära in den 1980ern, der Eintritt in internationale Märkte in den 1990ern oder die wachsende Bedeutung von Digitalisierung und funktionaler Sicherheit in der Gegenwart. DEUTA meisterte all dies, ohne seine Kernidee zu verlieren: Präzision und Verlässlichkeit im Dienste der Schienenmobilität.
Heute ist aus der einst kleinen Manufaktur ein weltweit führendes Unternehmen für Bahnsicherheit geworden – nach wie vor in Familienhand.
DEUTA Werke GmbH
Paffrather Str. 140
51465 Bergisch Gladbach
Tel. +49 2202 958-100
support@deuta.de
www.deuta.de
Von vielen unbemerkt liegt der Stammsitz der DEUTA-WERKE mitten in Bergisch Gladbach an der Paffrather Straße. Dana Schiffer, seit 34 Jahren im Unternehmen zuständig für Marketing, führt durchs Foyer, in dem sich die Produkte in Glasvitrinen betrachten lassen: Anzeigen, Sensoren, Bordrechner. Was auf den ersten Blick beinahe schlicht wirkt, ist Hightech, die weltweit Maßstäbe setzt.
Hochpräzise Systeme für maximale Sicherheit
Die Komponenten aus Bergisch Gladbach sind eine Kombination aus Ingenieurskunst und Digitalisierung. Besonders die hochpräzisen Geschwindigkeits- und Wegsensoren gelten weltweit als Referenz, weil sie mit hoher Zuverlässigkeit Daten liefern – auch bei -20 Grad im Winter und 70 Grad in der prallen Sonne. In Kombination mit stabilen Anzeigeinstrumenten und intelligenten Bordrechnern entstehen Systeme, die die Sicherheit maximieren und den Bahnverkehr effizienter machen. Fallen sie aus, fährt der Zug nur noch Schritt.
Lange Geschichte der Technologie
„Eigentlich sind wir eine Manufaktur“, sagt Dana Schiffer. Jedes Produkt, jedes System wird individuell auf das einzelne Schienenfahrzeug abgestimmt. Nur einer der Erfolgsfaktoren des Unternehmens mit langer Tradition. Ein DEUTA-Indikator (Tacho-Anzeige) von 1905 hängt im Technischen Museum Berlin – neben einem restaurierten Mercedes-Cabrio aus Kaiserzeiten. Er erinnert daran, wie klein etwas anfangen kann, was später einmal globale Bedeutung erhält.
Der Tacho in seinen Anfängen
Und heute im modernen Einsatz
Nachhaltigkeit als Kern des Geschäftsmodells
Im Juli erhielt das Unternehmen den erstmalig ausgeschriebenen Nachhaltigkeitspreis der Kreissparkasse Köln für Betriebe mit innovativen Klimaschutzideen. Unterm Strich standen 87 Prozent CO2-Reduktion von 2020 bis 2024. Dazu später mehr, denn bei DEUTA heißt Nachhaltigkeit noch weit mehr als CO2 zu sparen. Sie ist vielmehr der Kern des Geschäftsmodells und der Grund für eine hohe Resilienz im ständigen Spannungsfeld zwischen Gestern und Morgen.
„Wir ticken ganz anders als andere Unternehmen“, sagt Thomas Blau. „Wir brauchen immer länger.“ Um zu verstehen, was der kaufmännische Geschäftsführer damit meint, und warum gerade dies das Unternehmen auszeichnet, muss man etwas tiefer in das Geschäftsmodell blicken. Ein Blick auf die Rahmenbedingungen zeigt die sehr speziellen Herausforderungen.
Wegen der verschiedenen Zielmärkte und der unterschiedlichen Anwendungen sind die Herstellung und der Vertrieb der Produkte in eigene Gesellschaften unterhalb der DEUTA Group GmbH ausgegliedert, um den besonderen Bedingungen und Anforderungen gerecht zu werden. Die Standorte liegen in Deutschland, China und den USA. Fabian Rensch ist in dritter Generation der Gründerfamilie Rensch einer der Geschäftsführer der DEUTA Group – gemeinsam mit Thomas Blau und Dr. Rudolf Ganz, die seit 2009 im Tandem auch die Geschäftsführung der DEUTA-WERKE innehaben.
Geschäftsführer im Team:
Thomas Blau und Dr. Rudolf Ganz
Alles in-house:
Entwicklung und Produktion
Schnelllebige Software als Herausforderung für Systeme, die lange laufen müssen
Auf die Schiene bringen
„Bis ein neuer Zug auf die Schiene kommt, dauert es zwei bis vier Jahre“, erläutert Thomas Blau die erste Herausforderung. Spezifikation, Konstruktion und sehr komplexe Zulassungsprozesse sind extrem zeitaufwendig. Neugeschäft von heute auf morgen gibt es nicht. Dazu kommt, dass Züge nur in einer sehr geringen Stückzahl gefertigt werden. Der Markt mag zwar weltweit groß sein, die Anzahl der verkauften Produkte hingegen ist vergleichsweise niedrig.
Züge leben länger
Nächste Herausforderung: Ein Zug hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 40 Jahren. Der Einbau einer neuen Komponente in einen alten Zug ist extrem aufwendig. Heißt: Die Technik soll sich nicht ändern und so lange wie möglich einwandfrei funktionieren. „Wir müssen Technik viel länger verfügbar halten, als wir sie beziehen können“, sagt Thomas Blau. Was es nicht mehr gibt, wird nach dem Prinzip „form-fit-function“ angepasst: Die veränderte Komponente muss passen, sich integrieren lassen und seine Funktion einwandfrei erfüllen. Besonders der sehr schnelllebige Softwarebereich ist eine Herausforderung. „Kennen Sie noch MS-DOS?“, fragt Blau. „Das war das vor Windows.“ Der Microsoft-Support ist hier seit rund 20 Jahren ausgelaufen.
Damit Präzision und Sicherheit dennoch zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sind, müssen Entwicklung, Produktion, Service und Team extrem vielfältig und flexibel sein. Das Mitarbeiter-Team muss sowohl für veraltete als auch für modernste Systeme und all ihre Zwischenschritte höchste Kompetenzen haben. Eine Spannung, die ausbalanciert sein will.
Zwischen Gestern und Morgen
All das sind keine Bedingungen für eine Start-up-Mentalität, die Innovation und Markterfolg im Tempo eines Hochgeschwindigkeitszugs anstrebt. Der Umsatz der DEUTA-WERKE liegt bei rund 70 Millionen Euro. Doch da ein neu entwickeltes Produkt für die Schiene erst nach zwei bis vier Jahren zum ersten Mal zum Einsatz kommt, führt es auch erst dann zu Umsatz. „Da muss man einen sehr langen Atem haben“, so Thomas Blau.
Doch Nachhaltigkeit bedeutet bei DEUTA eben nicht nur, Produkte so herzustellen, dass sie lange halten und repariert werden können, sondern auch, für die Zukunft des Schienenverkehrs und des eigenen Unternehmens völlig Neues zu entwickeln.
Die Entwicklung der patentierten Safety-Technologie IconTrust® ist ein Beispiel für diese DEUTA-Produktstrategie, die sich innovativ, lösungsorientiert und nachhaltig an die Marktbedürfnisse ausrichtet. Mit Beginn der 2010er Jahre – und auch schon in 2009 – formulierte DEUTA als strategisches Ziel die Implementierung des Sicherheitsmanagements im Bahnsektor. Mit der 2012 patentierten IconTrust® Technologie hat DEUTA die Vorreiterrolle im Bereich sichere Anzeige- und Eingabe auf Mensch-Maschine Schnittstellen übernommen.
Auf dem Weltmarkt gelten die DEUTA-Produkte uneingeschränkt als Hightech. In Deutschland erhielt DEUTA 2019 den renommierten „German Innovation Award“ des German Design Council (Rat für Formgebung) direkt in zwei Kategorien.
Zwischen Gestern und Morgen liegt das Heute, in dem sich jederzeit weitere Rahmenbedingungen ändern können. Bei einem Exportanteil von bis zu 80 Prozent und einer Niederlassung in Florida schlagen derzeit insbesondere die US-Zölle zu Buche.
Thomas Blau
„Das meiste, was für die Produktion notwendig ist, kommt aus den eigenen Produktionsstätten mit einer sehr hohen Fertigungstiefe.“
Erfolgsfaktor 1: Spezialisierung auf Schiene
Während andere Sensorhersteller ein breites Angebot an Sensoren für alle Fälle im Portfolio haben, sind die DEUTA-Sensoren spezialisiert auf den einen Zweck, den sie erfüllen sollen: das Tempo eines Schienenfahrzeugs präzise und sicher messen. „Das ist heute eher unüblich“, sagt Thomas Blau. „Früher musste das so sein – wir sind dabeigeblieben.“ Im Schienenverkehr geht es um ein sensibles und komplexes technisches Zusammenspiel bei bis zu 300 km/h und widrigen Bedingungen. Daher werden die DEUTA-Komponenten speziell und individuell für diese Umgebung entwickelt. Über 95 Prozent des Geschäfts ist Bahn. „Wir können nicht Bus denken“, sagt Thomas Blau. Die Produkte wären zwar durchaus auch für Bagger oder Trucks geeignet, aber die umgebende Industrie sei völlig anders. Kompetenz und Erfahrung für die Nische sind dementsprechend hoch.
Erfolgsfaktor 2: Wirkkette und Eigenbau
Von der Erfassung der Geschwindigkeit bis zur Speicherung verarbeiteter Daten können die DEUTA-Kunden alles vom Sensor bis zur Black Box aus einer Hand erhalten; ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Diese Wirkkette – spezialisiert auf diesen einen Sektor – ist weitestgehend einzigartig am Markt.
Und noch ein Aspekt läuft gegen den Trend. „Sich auf die Kernkompetenz beschränken und alles andere zukaufen – das machen wir seit 15 Jahren nicht mehr mit“, sagt Thomas Blau. Das meiste, was für die Produktion notwendig ist, kommt aus den eigenen Produktionsstätten mit einer sehr hohen Fertigungstiefe.
In Summe bedeutet das für Unternehmen wie Kunden: Hohe Verfügbarkeit und Flexibilität, geringere Abhängigkeiten, effiziente Qualitätskontrolle und die Sicherung von innovativem Wissen.
Erfolgsfaktor 3: Familie und Mittelstand
DEUTA ist seit drei Generationen in der Hand der Familie Rensch. Zwischen Georg Rensch, dem Gründer, und Fabian Rensch, einer der drei heutigen Geschäftsführer der DEUTA Group, war Wolfram Rensch über mehrere Jahrzehnte Geschäftsführer. In diesem Jahr feiert er seinen 100. Geburtstag. Die Familie Rensch sorgte und sorgt für eine solide Finanzierungsgrundlage, die genau zum Geschäft passt. „Im Grunde typisch deutscher Mittelstand“, sagt Thomas Blau. Mit 92 Prozent des Kapitals bei der Gründerfamilie ist finanzielle Abfederung ebenso möglich wie Kapital für Innovationen, die nicht zu schnellem Umsatz führen.
Erfolgsfaktor 4: Das Team
„Wir haben rund 300 Mitarbeitende und nahezu eine Null-Fluktuation“, fährt der Geschäftsführer fort. Der Mitarbeiter mit der längsten Betriebszugehörigkeit war 55 Jahre dabei – und damit nicht der Einzige, der nach dem Rentenalter noch weiterarbeitet. Auszubildende bleiben und entwickeln sich. „Als ich 2002 Leiter Controlling wurde, musste ich zwar noch explizit nach einem Internet-Zugang fragen“, erzählt Blau, „Equal Pay und ein sehr flexibles Arbeitszeitmodell – auch in der Produktion – gab es aber schon.“ Über ein Stundenkonto planen die Mitarbeitenden – in Abstimmung mit Team und Arbeitsanfall – ihre Arbeitszeit selbst. So konnten auch 40 Prozent Umsatzreduktion in der Corona-Zeit ohne Kurzarbeit und Personalmaßnahmen gemeistert werden.
Nachhaltigkeitspreis mit Vorspiel
Um zum Anfang zurückzukommen: Der Nachhaltigkeitspreis der Kreissparkasse Köln, der erstmalig ausgeschrieben wurde, ging an DEUTA-WERKE. Bereits seit 2020 erfasst DEUTA-WERKE ihren CO2-Fußabdruck. Bis 2024 senkte sie ihn um sagenhafte 87 Prozent. Sie sanierte den Altbau energetisch und stattet den Neubau mit Photovoltaik, Geotherme und Wärmepumpe aus. Im Winter wird dem Erdreich Wärme entzogen für das Gebäude – im Sommer wird sie durch passive Kühlung aus dem Gebäude ins Erdreich zurückgeführt. Der Fuhrpark läuft mit Grünstrom (15 Ladestationen).
Unter dem Motto „Wir gemeinsam für das Klima“ verlieh die Kreissparkasse Köln erstmalig einen Nachhaltigkeitspreis. Insgesamt hatten sich 133 Vereine und 43 Betriebe aus dem Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Rheinisch-Bergischen Kreis und Oberbergischen Kreis mit innovativen Klimaschutzideen zur CO2-Einsparung angemeldet. Bei den Jurypreisen für Betriebe ging Platz eins an DEUTA-WERKE. Die Jury lobte die konsequente Umsetzung und die Vorbildfunktion in der Branche.
Die Fachjury setzte sich zusammen aus Tobias Peylo, Professor an der Hochschule Kempten, Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln, Christian Brand, Bereichsdirektor Gesellschaftliches Engagement und Geschäftsführer der Stiftungen der Kreissparkasse Köln, Yvonne Zwick, Vorsitzende des BAUM e. V., und Michael Greuel, Geschäftsführer und Gesamtredaktionsleiter der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft. Diese brachten ihre jeweiligen Blickwinkel aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Engagement, Umwelt und Medien ein.
„Aber auch im Detail lässt sich noch viel bewirken“, sagt die DEUTA-Nachhaltigkeitsexpertin Frauke Hillenbach-Koerth (Foto). „Wir haben zum Beispiel überall Stromzähler installiert, um Blindverbrauch, also Verbrauch ohne Nutzen, festzustellen. Die Dauerverbraucher wie Kaffeeautomaten wurden mit einer Schaltuhr versehen.“ Händewaschen geht auch mit kaltem Wasser. „Allein das spart mit 1.500 Kilowattstunden den Stromverbrauch in Höhe eines Einpersonenhaushalts“, sagt sie.
Frauke Hillenbach-Koerth ist seit eineinhalb Jahren im Unternehmen. Eingestellt wurde sie insbesondere auch wegen der gesetzlichen Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung (CSRD). „Wir haben berechnet, dass uns die initiale Erstellung rund eine Viertelmillion Euro kostet“, sagt Controlling-Experte Blau. Dieses Jahr wurde die Berichtspflicht um zwei Jahre verschoben. Pläne ändern sich. Doch auch hier bleibt DEUTA-WERKE sich treu. „Das Fernziel in Deutschland lautet CO2-frei in 2045“, sagt Thomas Blau. „Das könnte man noch liegenlassen. Tun wir aber nicht. Ein solcher Prozess braucht Zeit.“ Und mit Prozessen, die „nur“ 20 Jahre dauern, kennt man sich bei DEUTA schließlich richtig gut aus.
Text: Karin Grunewald
Fotos: DEUTA, Jan Hosan, Deutsche Bahn AG / Barteld Redaktion & Verlag
Nachhaltig, innovativ und im Team spezialisiert – Erfolgsfaktoren der DEUTA Group
Kluge Köpfe bei DEUTA
Unsere Mitarbeitenden können sich in einem offenen Umfeld selbstständig und eigeninitiativ bewegen. Unser Unternehmen ist offen für Kollegen und Kolleginnen, die neugierig sind und Fragen stellen, die wissen wollen, was dahintersteckt und warum etwas so ist.
Bei DEUTA ist Teamarbeit ein wesentliches Element und ein Erfolgsfaktor. Innerhalb unserer interdisziplinären Teams bzw. Arbeitsgruppen kommen unterschiedliche Fachrichtungen, Rollen und Interessenslagen zusammen. Um erfolgreich zu sein, muss jedes Teammitglied die volle Verantwortung tragen.




