„Die Nachfolge ist für Unternehmerinnen und Unternehmer eine der wichtigsten Entscheidungen ihrer Karriere“, sagt Volker Suermann, Geschäftsführer der RBW. „Normalerweise haben diese sehr viel Erfahrung – aber bei der Nachfolge haben sie sie nicht. Hier beginnt Neuland und es spielen auch viele Emotionen mit.“
Er betont: „Das Thema ist für den Kreis von zentraler Bedeutung.“ Die RBW biete Begleitung an, unabhängig von der Dauer und unabhängig vom Weg. In der Rolle als neutraler Sparringspartner stünde sie für Begleitung mit offenen Ohren und hilfreichem Input. „Und wir bieten auch Mediation an, wenn es mal knirscht.“ Und es gibt viele Gelegenheiten, an denen es knirschen kann, wie der folgende Impulsvortrag zeigt.
Impulsvortrag und Praxis
Sie rockten die Bühne (v.l.n.r.): Volker Licht (RBW), Anna Fanelli (Übergeberin der Osteria ToscAnna, Wermelskirchen), Prof. Dr. Birgit Felden (TMS Unternehmensberatung GmbH), Sandra Musculus (Übernehmerin der Georg Musculus GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach), Silke Ratte (RBW), Lina Reitz (Übernehmerin der Reitz Lebensräume Wilhelm Reitz GmbH, Bergisch Gladbach) und Volker Suermann (RBW)
Impulsvortrag
Prof. Dr. Birgit Felden, die sich seit 30 Jahren mit dem Thema Nachfolge in Forschung und Praxis beschäftigt, startete in ihrem einführenden Impulsvortrag ein kleines Feuerwerk davon, was alles passieren kann und nicht passieren sollte. Und auch darüber, wie aus dem Neuland eine geregelte Nachfolge werden kann.
Zur Person: Prof. Dr. Birgit Felden
Birgit Felden studierte BWL und Jura, gründete ein eigenes Unternehmen und bildet seit 20 Jahren Bachelor-Studenten an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zum Thema Nachfolge aus. Im Rahmen ihrer anwendungsorientierten Forschung leitete sie ein Forschungsprojekt zum Thema Nachfolge, in dessen Rahmen unter anderem das Nachfolge-Wiki und Tools entstanden.
Die Zahlen sprechen für sich
Nicht nur für Statistikfreunde startete Birgit Felden mit einer Auswahl an Zahlen. Zum Beispiel: Die Zahl der Übergabeunternehmen steigt stetig: Waren es 2014 noch 114.000 werden es 2026 rund 190.000 sein. 43% der Inhaber haben noch keine Überlegungen zum Fortbestand, 18% erwägen Stilllegung. Bei ganzen 14% läuft die Nachfolge ungeplant ab. „Wenn dann nicht vorgesorgt ist, müssen viele Betriebe schließen“, so Felden und zieht das Fazit: „Wenn die Nachfolge nicht geregelt wird, ändert das die Wirtschaftssituation in der Region.“
Der Erfolg der Väter
Die Erfolgsfaktoren und Stolpersteine bei der Nachfolge hingen nicht in erster Linie an Steuerberatern und Banken, betont die Professorin. „Warum zum Beispiel wollen nur die Hälfte aller Kinder ins gemachte Nest?“, fragt sie und beantwortet die Frage gleich selbst: „Sie schaffen es nicht, aus dem Schatten des Vaters herauszutreten.“
Zum einen sei nicht jedes Familienmitglied willens oder geeignet. „Der Nachname macht noch keinen guten Unternehmer“, sagt Felden. Jeder potenzielle Nachfolger müsse sich fragen: Will ich eigentlich Unternehmer sein? Und warum? Was ist meine Motivation? Was kann ich – fachlich und als Führungspersönlichkeit? Macht mir das Spaß? Kann ich vor anstehenden Entscheidungen nachts noch gut schlafen?
Im Kern muss das Unternehmen stehen
Zum anderen ändere sich die Rollenverteilung in der Familie – häufig mit einem großen Maß an Emotionen belastet, die jedoch bei der Unternehmensführung keine Rolle spielen sollten. Die Kernaufgabe lautet: Das Unternehmen muss handlungsfähig bleiben! Die Kernfrage: Was braucht der Betrieb in Zukunft, um erfolgreich zu sein?
Ihre Tipps: Blenden Sie die emotionale Seite nicht aus – hier können große Hürden aufgelegt sein! Werden Sie sich klar darüber, was Sie wollen (das gilt für beide Seiten)! Wenn es gar nicht klappt in der Familie: Ein externer Geschäftsführer kann wahre Wunder vollbringen, weil er neutral ist.
Die Kraft des Mittelstands nutzen
Die Professorin bricht eine Lanze für den Mittelstand mit seiner Stärke für schnelle und flexible Transformation. Das gelte es auch im Nachfolgeprozess zu nutzen, denn: „Stabilität in der Zukunft heißt Bewegung im Heute.“ Dazu zitiert sie Wilhelm Busch: „Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren.“ Sprich: Keine Bewegung, keine Veränderung, keine Entscheidungsklarheit. Hier kommt es neben dem Mut und der Vision des Nachfolgers wesentlich auf die Fähigkeit zum Loslassen des übergebenden Unternehmers an. „Es gibt Unternehmer, die suchen keinen Nachfolger, sondern einen Denkmalpfleger“, sagt Felden.
Ihre Tipps: Gehen Sie als Nachfolger Ihren eigenen Weg! Lassen Sie los, wenn Ihr Nachfolger feststeht! Verteilen Sie klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungskompetenz! Halten Sie sich daran!
Nachfolge geschieht nicht von heute auf morgen
Wenn diese Hürden nicht erkannt und bewusst übersprungen werden, wird es riskant. Nach einem grandios verschachtelten Beispiel für die dann mögliche Konfusion – das an dieser Stelle leider einfach zu lang ist zur Wiedergabe – sagt Felden: „Ein solches Szenario lässt sich vermeiden mit vorausschauender Planung und einem Generationenwechsel, der nicht übers Knie gebrochen wird.“
Häufig werde jedoch die Komplexität des Prozesses unterschätzt. „Einer rein, der andere raus, funktioniert in der Praxis nicht“, sagt sie. „Es braucht eine Übergabezeit, damit ein Transfer vernünftig funktionieren kann – und das ist wichtig!“ Weiterhin: Steuerliche, erbschaftsrechtliche und betriebswirtschaftliche Aufgaben sind strategische Prozesse, die Zeit brauchen. Auch die Altersvorsorge wird nicht von heute auf morgen aufgebaut.
Ihre Tipps: Planen Sie die Übergabe! Nutzen Sie die Berater, die Sie haben und fordern Sie sie! Nehmen Sie jede Hilfe an, die Sie bekommen können!
Zum Einlesen empfiehlt sich zum Beispiel das Nachfolge-Wiki, das unter vielen weiteren Informationen auch einen in Feldens Forschungsprojekt an der Hochschule für Wirtschaft und Recht entwickelten Nachfolgeprozess im Stil eines interaktiven U-Bahn-Fahrplans enthält: https://nachfolgefahrplan.org
Steuerberater, Banken und Rechtsanwälte sind zwingend einzubeziehen. Auch externe Berater mit Erfahrung in Nachfolgeprozessen, Neutralität und bestenfalls psychologischer und/oder systemischer Ausbildung, können viel zu einem geregelten und konfliktarmen Nachfolgeprozess beitragen. Bei der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderung ist Ihr Ansprechpartner dafür Volker Licht. Alle Informationen der RBW finden Sie hier: https://rbw.de/nachfolge/
Einen abschließenden Tipp für scheidende Unternehmerinnen und Unternehmer hatte Birgit Felden noch: „Suchen Sie sich für danach etwas, was Sie wirklich reizt! Das fällt einem übrigens nicht schlagartig beim 65. Geburtstag ein.“
Prof. Dr. Birgit Felden
„Nutzen Sie die Beratung!
Nehmen Sie jede Hilfe an, die Sie bekommen können!“
Schon mal „Probegestorben“?
Sind Sie schon mal einfach zwei Monate weg gewesen und haben geschaut, was dann in Ihrem Unternehmen passiert? „Wenn Sie das nicht machen, zumindest in Gedanken und/oder mit Tools, dann werden Sie erst im Notfall auf die Probe gestellt“, sagt Felden.
Es kann auch ohne konkrete Nachfolgeabsichten etwas passieren, was eine Nachfolge – oder zumindest den reibungsfreien Ablauf für die erste Zeit – notwendig macht. „Koma ist für das Unternehmen schlimmer als Tod“, sagt Felden dazu frei heraus. Wenn es keine Vertretungsregeln gibt, können viele Entscheidungen nicht getroffen und Schlüsselaufgaben nicht erfüllt werden. Manchmal scheitert es auch bereits an banalen Dingen wie der Tür, für die nur der Chef den Schlüssel hat.
Um für diesen Fall vorzusorgen, empfiehlt sich ein „Notfallkoffer“. Was in diesen hineingehört, wissen Berater oder das Internet.
5 Regeln für den sicheren Misserfolg (von Birgit Felden)
- Ich habe mein Geschäft ohne Hilfe aufgebaut, so mach ich auch weiter.
- In die Karten gucken lasse ich mir nicht. Weder von der Bank, noch vom Nachfolger.
- Keiner kann es so gut wie ich.
- Steuern sparen.
- Ich bin 85 – fünf Jahre gehen noch!
Die Praxis bei Unternehmen in Rhein-Berg
Das Publikum war nun gut eingestimmt, was alles schief laufen kann bei der Nachfolge und wie entscheidend es ist, diesen Prozess auf allen Ebenen zu planen. Wie aber sieht es in der Praxis im Rheinisch-Bergischen Kreis aus? Drei extrem gut aufgelegte Frauen auf der Bühne stellten sich den Fragen von Moderatorin und RBW-Prokuristin Silke Ratte. In Kürze: Alle drei Frauen hatten von Stolpersteinen zu berichten – jede von anderen. Und alle haben entweder erfolgreich übergeben oder übernommen. Es war aber nicht nur ihr Erfolg, mit dem sie die Zuschauer in ihren Bann zogen. Es waren insbesondere ihre ausgesprochen ehrlichen und authentischen Antworten. Fazit: Jedes Unternehmen und jeder Mensch ist anders. Der Erfolg hängt davon ab, wie man genau damit umgeht – und sich beraten lässt. Für letzteres stand Volker Licht mit im Podium.
Jeder hat seine eigenen Entscheidungen zu treffen
Lina Reitz war zehn Jahre nicht im Betrieb der Eltern. 2020 kam sie wegen Corona-bedingter Kurzarbeit bei ihrem damaligen Arbeitgeber in den Refrather Betrieb und half beim Renovieren. Das Feuer war entflammt, sie überlegte zu bleiben. „Im Vortrag hat mich diese Frage `Will ich ein Unternehmer sein?` am meisten gepackt“, sagt sie. „Man muss das wollen“. Sie wollte, aber sie brauchte Zeit, um sich sicher zu sein.
Sandra Musculus gehört zu den 6% derer, die in vierter Generation noch in der Leitung des Familienunternehmens dabei sind. Für sie war der Punkt mit der Rollenklarheit der wichtigste. „Ich habe entschieden: Ich möchte keine Geschäftsführerin sein, ich bleibe Prokuristin.“
Für Anna Fanelli, die ihr Restaurant aus gesundheitlichen Gründen übergeben wollte, war das Schwierigste, jemanden zu finden, der ihren Wünschen an die Fortführung entspricht: „Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, wenn man keinen Nachfolger in der Familie hat“, sagt sie.
Zwischen Recht und Emotionen
Ein über 100 Jahre gewachsenes Unternehmen wie das der Familie Musculus forderte klare rechtliche Bedingungen. „Wir haben es dann in zwei Unternehmen getrennt, weil vier Kinder und sechs Enkel einfach zu viele waren“, sagt Sandra Musculus. „Das Konfliktfeld wird so sehr viel kleiner.“ Der Aufwand war hoch: Nachfolgeverträge, Erbschaftsregelungen – und die Erkenntnis: „Wir brauchen noch den starken Vater, der den kompletten Übergang regeln kann“.
Für Anna Fanelli war nicht der Preis entscheidend beim Verkauf. „Für mich war ganz wichtig, dass es jemand mit Herzblut macht. Die Frage war nicht: Was kannst du bezahlen? Sie war: Schaukelst du dieses Baby genau wie ich?“ Dahinter stand ein großer emotionaler, aber auch ein wirtschaftlicher Aspekt. „Meine Wettbewerbsfähigkeit war meine Persönlichkeit“, sagt sie. Ihre Wahl fiel am Ende auf eine Quereinsteigerin, die sich über die Online-Börse NextChange beworben hatte. Deren Kernsatz, der Anna Fanelli überzeugte, war: „Ich habe das noch nie gemacht, aber ich pack`s an!“
Akzeptanz hat viele Aspekte
Birgit Felden sagte in ihrem Vortrag zwar: „Der Nachname macht noch keinen Unternehmer“, aber er kann Vertrauen schaffen, in etwa wie ein Markenzeichen. „Zu Reitz Lebensräumen geht man nicht und sagt, ich will zu Frau Hoffmann“, sagt Lina Reitz, deren Mann ihren Namen angenommen hat. „Wir gehen in die Privaträume, ins Schlafzimmer der Menschen. Im persönlichen Kontakt eine Bindung herzustellen, ist sehr wichtig. Das fängt mit dem Namen an und geht weit darüber hinaus.“ Sie begann Jahre vor der Übernahme mit dem Aufbau der Kundenbeziehungen.
Sandra Musculus gibt offen zu, dass sie anfangs ein Akzeptanzproblem im Team hatte. „Ich hatte vorher in einer Agentur gearbeitet. Das war hip und mit bester Technologie – dann kam ich hierher und fand Nadeldrucker“, beschreibt sie ihre Ausgangssituation. Sie wollte in kurzer Zeit alles ändern. „Ich habe in diesem Projekt alle Menschen kennengelernt, aber mit Anfang 20 und einem Hitzkopf war das sehr herausfordernd. Es hat gleich am Anfang geknallt – heute habe ich ein sehr harmonisches Team.“
Offene Kommunikation als das A und O
Zu Anna Fanelli kamen viele Stammgäste, und mit allen hat sie über ihren Übergabewunsch gesprochen, bevor überhaupt ein Nachfolger feststand. „Das war ein sehr guter Weg“, sagt sie. „Ich war verpflichtet, es meinen Gästen zu sagen, was ich vorhabe und warum. Es war wichtig, dass sie das verstehen.“
Auch Familie Reitz hat von Anfang an sehr offen kommuniziert. „Die Mitarbeiter sehen auch die Zahlen, die auf dem Geburtstagskuchen stehen“, sagt Lina Reitz. „Eine 38-jährige Frau macht sich Gedanken, wenn ihr Chef 66 wird. Die Nachfolge war daher eher eine Erleichterung: Es geht weiter.“
Jeder, was er am besten kann – und miteinander
Ein Thema wie „die Mitarbeiter mitnehmen“ war einer der Gründe, warum Sandra Musculus die Geschäftsführung freiwillig und gern ihrem Bruder überließ. „Ich bin ein Erbsenzähler“, sagt sie frei heraus. „Ich kann besser mit Zahlen und IT umgehen als Menschen zu überzeugen – ob im Vertrieb oder bei uns.“ Für sie war daher klar: „Einer muss vorausgehen, der andere arbeitet im Hintergrund. Ich könnte das nicht, was mein Bruder leistet – und er hat null Bock auf meine Gebiete.“
In all den Jahren war und ist es bis heute ein offenes Miteinander in der Familie. „Keiner führt ein Schlüsselgespräch, ohne dass die anderen Gelegenheit haben, dabei zu sein“, sagt Sandra Musculus. Mein Vater hat uns viel Wissen vermittelt, und wir waren bereit, es aufzunehmen. Das hat bei uns gut gepasst.“
Nach drei Monaten in der Übergabephase hätte sie sich mal kräftig gezofft mit ihren Eltern, sagte Lina Reitz im Gespräch für die thematisch passende RBW-Broschüre „Impulse“. „Gezofft, worüber?“, fragt Silke Ratte. Lina Reitz weiß es nicht mehr. „Papa, weißt du es noch?“, fragt sie ins Publikum, wo Vater Willi Reitz sitzt. Er zuckt mit den Schultern. „Man redet und man verträgt sich – und wenn man das kann, dann hat man gewonnen“, sagt die Tochter.
Zwischen Innovation und Tradition
„Was hat sich verändert im Unternehmen seit der Nachfolge?“ fragt Silke Ratte weiter. Im Restaurant von Anna Fanelli nicht viel. „Meine Nachfolgerin will ihren eigenen Flair bis zum Jahresende einbringen. Jetzt hat sie begonnen, die Farbe der Wände zu ändern“, sagt sie lächelnd. Das Geschäftsmodell habe sie nicht angefasst.
„Wir wandeln uns von einer patriarchalen Orgastruktur in eine moderne. Das ist kein Vorwurf, nur eine Feststellung“, sagt Sandra Musculus. „Personalführung, Umgang miteinander – das ist ein langer Prozess, da sind wir noch nicht durch.“ Außerdem merkt sie an: „Ich bin die Tochter meines Vaters. Ich mache vieles wie die Vorgängergeneration.“ Lina Reitz springt sofort ein: „Ich bin auch die Tochter meines Vaters. Wir probieren Neues aus, um wettbewerbsfähig zu bleiben, aber wir haben nicht alles umgekrempelt.“ Auch Tradition gehört zu den Stärken des Mittelstands.
Es geht nicht ohne externe Unterstützung
Externe Hilfe haben alle drei Frauen angenommen. „Steuerberater, Hausbank, Anwälte – das schafft man gar nicht alleine“, sagt Sandra Musculus. Lina Reitz machte unter anderem einen Kurs bei der Handwerkskammer zu Köln, Anna Fanelli ließ sich von Volker Licht durch den Prozess begleiten. Dieser ergänzt: „Es braucht einen Lotsen durch den Nachfolgedschungel. Genau in dieser Rolle helfe ich allen Beteiligten und bin immer ansprechbar, egal in welcher Phase des Nachfolgeprozesses.“ Wichtig sei bei der Beratung, und das habe die Diskussion gezeigt: „Sie ist sehr individuell. Die Herausforderungen bestehen auf allen Ebenen: Wirtschaftlich, strategisch bei Ziel und Sinn sowie emotional und in allen Phasen des Prozesses.“
Und danach?
„Es hat sehr, sehr weh getan, und es tut immer noch weh“, sagt Anna Fanelli. Bislang hat sie ihren früheren Lebensmittelpunkt nur einmal besucht. Dafür hat sie die Geschäftsführung im KFZ-Unternehmen ihres Sohnes übernommen. Ihre Motivation: „Als Frau in einem Männerberuf mitzumischen und noch etwas zu lernen, kurz bevor man alt wird.“
Viel Applaus, eine Frage und ein eindringliches Schlusswort
Die Teilnehmer im Raum scheinen beinahe ein wenig perplex über die ungewohnt offene Diskussion der Podiumsteilnehmerinnen bei diesem sensiblen Thema. Es gibt viel Beifall und nur eine Frage: „Wie sind Sie da reingewachsen? Wenn ich meine Kinder zu sehr unter Druck setze, dann haben Sie kein Interesse mehr, oder?“
„Als Mädchen war ich nicht die prädestinierte Nachfolgerin“, bleibt Sandra Musculus bei ihrer erfrischenden Offenheit. „Für mich war das sehr entspannt. Von mir erwartete es keiner, und dann wurde es zu meiner eigenen bewussten Entscheidung.“
„Ich habe noch einen Bruder, der macht das nicht“, eröffnet Lina Reitz. Auch sie sagt: „Ich habe nie Druck gespürt, eine Erwartungshaltung erfüllen zu müssen. Das hat mich veranlasst, meinen Weg selbst zu gehen. Das ist nicht planungssicher, aber der gesündere Weg.“ Auf die Nachfrage, ob der Vater nie explizit von der Nachfolge geredet habe, fragt sie nochmal ins Publikum. „Nie!“, ruft Vater Reitz. „Meine Tochter macht einen tollen Job – und ich hab viel Zeit!“
Und als wäre das nicht bereits ein gutes Schlusswort, meldet sich Lina Reitz erneut zu Wort: „Wenn Sie wirklich einen Nachfolger in der Familie wollen, gehen Sie nicht abends nach Hause und sagen: Es ist alles anstrengend, es bringt nichts und ich bin genervt!“ Und nach einer Pause fügt sie hinzu: „Was man tut, muss man mit Herz tun – der Rest ergibt sich dann von alleine.“
Text: Karin Grunewald
Fotos: Guido Broich
Über die Reitz Lebensräume Willi Reitz GmbH und die Georg Musculus GmbH & Co. KG haben wir bereits im RBW-Blog berichtet. Über den Prozess der Nachfolge lesen Sie dort mehr.




