Start-up Stories aus Rhein-Berg
Unter der Start-up-Dachmarke StartRaum GL bündeln das Rheinisch-Bergische TechnologieZentrum GmbH (RBTZ) und die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW) ihre Kräfte und Angebote für eine starke, vernetzte Start-up-Region im Rheinisch-Bergischen Kreis.
Codeligence GmbH
Juri Kühn
Friedrich-Ebert-Straße 75
51429 Bergisch Gladbach
Tel. +49 177 5463245
support@codeligence.com
www.codeligence.com
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Magst Du Dich kurz vorstellen und uns ein bisschen über Deinen Hintergrund erzählen?
Hi, ich bin Juri, 43 Jahre alt und „verliebt“ in die Softwareentwicklung. Ich habe meine erste Programmiersprache, Basic unter DOS, mit 13 für mich entdeckt und seitdem ist keine Woche vergangen, in der ich nicht Code gelesen oder geschrieben, oder Bücher über die Programmierung verschlungen habe. 30 Jahre später, mit vielen Einsätzen in Start-ups und DAX-Konzernen, ist die Thematik für mich genauso spannend wie am ersten Tag.
Was hat Dich dazu gebracht, Dein eigenes Unternehmen zu gründen?
Was macht Dein Unternehmen und welche Produkte oder Dienstleistungen bietet Ihr an?
Die Verantwortung und der Gestaltungsfreiraum der Selbstständigkeit haben mich schon immer gereizt. Nachdem ich Ende 2022 gesehen habe, wozu KI mit ChatGPT fähig ist, wusste ich, dass es meine Arbeit stark beeinflussen wird. Nachdem ich gelernt habe, dass KI alles andere als intuitiv ist und Firmen Schwierigkeiten haben, KI gewinnbringend einzusetzen, habe ich es mir als Mission gesetzt, Entwicklerteams bei der Produktivitätssteigerung mithilfe reibungsloser KI-Lösungen zu unterstützen. So ist die Codeligence GmbH und unsere Lösung dev-agents.ai entstanden. Im Grunde ist es ein KI-Agent, der direkt im Team-Chat lebt, also in Slack oder Microsoft Teams, und dem ganzen Team Zugang zu Projektinformationen gibt. Nicht nur Entwickler, sondern auch Produktmanager, Tester, Support und DevOps können dem Agenten Fragen zum Code stellen, Änderungen nachvollziehen oder Fehler analysieren lassen. Die Antworten kommen in Sekunden, direkt im Chat. Das spart Wartezeiten und entlastet die Entwickler, weil sie nicht mehr ständig für Rückfragen unterbrochen werden. Die Plattform ist Open Source und wird in der eigenen Cloud des Kunden betrieben. Der Code verlässt also das Unternehmen nicht. Das ist gerade für Firmen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Compliance ein entscheidender Punkt.
Besonders stolz bin ich darauf, dass wir als Gründung aus Bergisch Gladbach schon im ersten Jahr internationale Kunden gewinnen konnten. Unser Ankerkunde ist ein amerikanisches Medizintechnik-Unternehmen mit über 50 Nutzern, das durch unseren KI-Agenten bei der Testplanung mehrere Personentage pro Woche einspart. Und wir waren auch schon zu Gast im Fraunhofer-Podcast, um über den Einsatz von KI in der Softwareentwicklung zu sprechen. Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Ich hatte eine grobe Orientierung erwartet, bin aber ohne große Erwartungen in den Termin gegangen. Ich war ehrlich gesagt überrascht von der Kompetenz, Erfahrung und Hilfsbereitschaft.
Juri Kühn
Warum im StartRaum GL?
Wie können wir Dich im StartRaum GL weiter unterstützen?
Als ich mich auf die Gründung vorbereitet habe, hat meine Frau mich unterstützt und ist bei der Recherche auf die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH gestoßen. Da auch das Thema Fördermittel für mich wichtig war und es sich um eine innovative Gründung handelt, fand der erste Termin bei Slawomir Swaczyna statt, zuständig für Innovations- und Start-up-Förderung sowie Fördermittelberatung. Ich hatte eine grobe Orientierung erwartet, bin aber ohne große Erwartungen in den Termin gegangen. Wir haben uns sofort gut verstanden und ich war ehrlich gesagt überrascht von der Kompetenz, Erfahrung und Hilfsbereitschaft. Slawomir ist seitdem immer im Kopf geblieben.
Wir haben den Kontakt gehalten und seit letztem Jahr unterstützt der StartRaum GL uns begleitend und fortlaufend. Wir haben ein eigenes Büro im TechnologiePark Bergisch Gladbach bezogen und sind direkt an die Berater angedockt. Die kurzen Wege und das familiäre Umfeld schätzen wir sehr. Das Gründer-Paket ist großartig: intensive Begleitung durch Experten, interessante Vorträge, kostenfreie Workshops und ein wertvolles Netzwerk. Es ist eigentlich alles vor Ort, was man in der Gründungsphase und darüber hinaus braucht. Ich hatte auch schon mit anderen Beratern und Zentren Kontakt, aber diese persönliche Beziehung hier in Bergisch Gladbach ist etwas Besonderes. Ich bin sehr froh, dass diese Zusammenarbeit zustande gekommen ist.
Was waren bisher die größten Herausforderungen und wie hast Du sie gemeistert?
Auf dem Weg von einer Fachkraft zu einem Unternehmer hatte ich besondere Herausforderungen beim Vertrieb und bei der Delegation von Aufgaben. Das musste ich erst einmal lernen. Ich hatte das Glück, starke Mentoren um mich herum zu haben, sodass ich schnelle Fortschritte machen konnte. Lehrgeld musste ich trotzdem zahlen. Und ich lerne immer noch täglich dazu. Ich bin aber stolz darauf, dass wir direkt im ersten Jahr ein Team aufstellen und Kunden gewinnen konnten, mit denen wir bis heute erfolgreich zusammenarbeiten.
Wie siehst Du die Entwicklung Deiner Branche in den nächsten fünf Jahren?
Die KI wird einerseits überschätzt, andererseits aber auch massiv unterschätzt. Sie wird uns nicht alle ersetzen. Aber das Werkzeug KI hat keine Hebel, Schalter und Knöpfe, wie wir sie von anderen Werkzeugen kennen. Es ist eine Intelligenz mit einem eigenen Wesen, wenn man so will. Wir mussten es erst einmal selbst verstehen. Die Lernkurve ist lang.
Was ich aber sehe: Die Reife vieler Tools zeigt, dass man mit KI ganz konkret Zeit einsparen kann. Routineaufgaben wie Testplanung, Code-Analyse oder Release Notes, die heute Stunden kosten, erledigt ein KI-Agent in Minuten. Das ersetzt keine Menschen, aber es gibt den Fachkräften die Zeit, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: kreative Problemlösung und Innovation. Die Jobs verändern sich. Man erledigt die Arbeit nicht mehr alles selbst, sondern steuert eine KI zum Ergebnis. Das erfordert neue Skills, die erlernt werden müssen.
Gleichzeitig werden Softwarelösungen durch KI günstiger. Das spürt man heute schon. Und wenn etwas günstiger wird, steigt auch die Nachfrage. Ich bin deshalb überzeugt, dass wir in fünf Jahren eher mehr Entwickler brauchen werden, nicht weniger. Aber ihre Arbeit wird ganz anders aussehen als heute.
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Welche Werte sind Dir und Deinem Unternehmen besonders wichtig?
Kompetenz, Partnerschaftlichkeit und Effizienz. Wir wollen nicht einfach das nächste KI-Tool verkaufen, sondern ein messbares Ergebnis liefern. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen und messen den Erfolg an ganz konkreten Dingen: eingesparte Zeit, weniger Unterbrechungen im Team, schnellere Releases. Wenn der Kunde keinen Mehrwert sieht, dann haben wir unseren Job nicht gemacht.
Wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus?
Wie balancierst Du Arbeit und Privatleben?
Ich helfe morgens mit, unsere beiden Kleinkinder fertig zu machen und verbringe so Zeit mit ihnen. Dann geht es mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Büro im StartRaum GL. Es geht von zuhause aus ordentlich den Berg hoch zum TechnologiePark. Oben angekommen werde ich mit einem großartigen Weitblick über den Königsforst bis nach Köln hin belohnt. So ist die erste Runde Sport auch schon gemacht. Ich freue mich dann mit unseren Kunden zusammen KI-Agenten an den Start zu bringen, mit Kollegen Lösungen zu besprechen, auf LinkedIn zu diskutieren oder Podcasts aufzunehmen. Zwischendurch nehme ich die Hanteln in die Hand und mache ein paar Übungen. Wenn der Tag es erlaubt, spaziere ich eine kleine Runde im schönen Königsforst. Dieser liegt direkt neben dem TechnologiePark. Das hilft nicht selten, Gedanken zu sortieren. Abends freue ich mich auf die Familie. Besonders jetzt am Anfang der Unternehmensgründung erfordert es einen hohen Einsatz und balancieren fällt nicht immer leicht. Ich bin dankbar dafür, dass meine Frau das Vorhaben unterstützt und mir den Rücken freihält. Und ich denke, wir machen das schon ganz gut.
Routineaufgaben wie Testplanung, Code-Analyse oder Release Notes, die heute Stunden kosten, erledigt ein KI-Agent in Minuten.
Gibt es ein Buch oder eine Person, die Dich besonders inspiriert hat?
Das Ganze losgetreten hat mein Onkel Viktor Kühn, den ich als einzigen Unternehmer in der Familie wie einen Helden wahrgenommen habe. Aber auch die Tatsache, dass meine beiden Großväter Hunderte von Mitarbeitern geführt haben, hat mir Zuversicht gegeben: Ich kann es auch. Ich lese gerne und viel. Um einige Favoriten zu nennen: In der Programmierung „Refactoring“ von M. Fowler, für Zeitorganisation „Getting Things Done“ von D. Allen, fürs Mindset „The Power of Positive Thinking“ von N. V. Peale. Sicher haben die paar hundert Stunden, in denen ich Tony Robbins, Alex Hormozi, Bodo Schäfer und Dieter Lange zugehört habe, ihre Spuren hinterlassen.
Einige haben aufgegeben, aber alle anderen haben funktionierende Geschäfte aufgebaut und teilweise mehrfache Exits hinter sich. Also dranbleiben!
Juri Kühn
Welchen Rat würdest Du anderen angehenden Gründerinnen und Gründern geben?
Ich habe im Studium vor fast 20 Jahren viele Gründer kennengelernt. Kein einziger von ihnen ist gescheitert! Einige haben aufgegeben, aber alle anderen haben funktionierende Geschäfte aufgebaut und teilweise mehrfache Exits hinter sich. Also dranbleiben!
Und man schafft es nicht allein. Man braucht ein kompetentes Netzwerk und Verbündete, mit denen man durch Dick und Dünn gehen kann. Besonderen Halt gibt mir hier die Community und die Begleiter im StartRaum GL. Wertvoll ist auch der Austausch bei Workshops mit Gleichgesinnten. Es stützt und es ergeben sich immer wieder Synergien untereinander.
Auch wer kein Büro vor Ort braucht und von zuhause arbeitet, kann an den kostenfreien Workshops beim StartRaum GL teilnehmen und sich in der Start-up-Szene im Umkreis vernetzen. Das kann ich jedem Gründer und jeder Gründerin ans Herz legen. Auch die Beratungsangebote und regelmäßigen Review-Termine sollte man nutzen, um in der Gründung nicht allein zu sein oder in die falsche Richtung zu laufen. Das Team im StartRaum GL ist wie ein Wegweiser. Alles ist sehr persönlich, familiär und nahbar. Man kann jederzeit Fragen stellen oder um Hilfe bitten — das finde ich großartig.
Herzlich willkommen, Juri, im StartRaum GL!
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