Start-up Stories aus Rhein-Berg
Unter der Start-up-Dachmarke StartRaum GL bündeln das Rheinisch-Bergische TechnologieZentrum GmbH (RBTZ) und die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW) ihre Kräfte und Angebote für eine starke, vernetzte Start-up-Region im Rheinisch-Bergischen Kreis.
Revenite UG
Aron Brocher
Tel. +49 172 9575008
info@comeback-tracker.de
www.comeback-tracker.de
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Magst Du Dich kurz vorstellen und uns ein bisschen über Deinen Hintergrund erzählen?
Was hat Dich denn zur Unternehmensgründung veranlasst?
Meine Mutter erkrankte vor einigen Jahren an Krebs. Als sie im Hospiz war und ich den Anruf erhalten hatte, dass ich mich von ihr verabschieden solle, habe ich meinen damaligen Chef angerufen und ihm mitgeteilt, dass ich aus diesem Grund später anfangen würde zu arbeiten. Meine Mutter starb an diesem Tag nicht, was mein Chef aber nicht wusste. Als er mich dann angerufen hat (aufgrund von Corona war ich im Homeoffice) hat er angefangen zu erzählen, wie unglaublich schwierig doch sein Tag sei. Er kam nicht einmal auf meine Mutter und mich zu sprechen. Er hatte meine Info schlichtweg vergessen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie schockiert ich darüber war. Ich meine… er war auf dem Stand, dass meine Mutter gestorben war. Dieser Moment hat sich ganz tief in mein Gedächtnis eingebrannt.
Als meine Mutter dann ein paar Tage später wirklich starb, habe ich mir ganz grundlegende Fragen gestellt. Ich wusste in dieser Zeit nicht, was ich mit meinem Leben anstellen möchte. Was will ich erreicht haben, wenn auch ich mich verabschieden muss? Womit will ich dieses Leben verbringen? Ich hatte Angst, den Punkt einer Selbstverwirklichung zu verpassen und zu wenig auf meine eignen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Dann habe ich den Entschluss gefasst, ein Unternehmen zu gründen.
Als ein Jahr später auch mein Vater zu früh diese Welt verlassen hat, war bei der Trauer und dem Schock eine Sache ganz anders. Ich war selbstsicher. Ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg war.
Was macht Dein Unternehmen und was unterscheidet Dein Unternehmen von anderen in der Branche?
Ursprünglich wollte ich einen kostengünstigen GPS-Tracker für Hunde entwickeln und war damit in der Entwicklung schon sehr weit. Dann hat aber Fressnapf ziemlich genau diese Nische besetzt. Ich musste einsehen, dass ich gegen einen solchen Konkurrenten nicht werde bestehen können. Ich habe mich daher dann dazu entschieden, dieses Prinzip auf Fahrzeug-Tracker anzuwenden.
Seit September 2024 bieten wir nun GPS-Tracker für Fahrzeuge an. Die Funktionen der App haben wir in enger Abstimmung mit unseren Kundinnen und Kunden entwickelt. Unser Tracker ist nicht nur besonders günstig und kundenfreundlich, sondern verfügt auch über eine besonders moderne und übersichtliche App.
Wäre ich schon früher im StartRaum GL gewesen, so wäre ich wohl deutlich schneller und kostengünstiger aufgestellt gewesen, als ich es war.
Aron Brocher
Reicht für mein Auto nicht ein einfacher elektronischer Ortungschip?
Nicht ganz. Denn unser Tracker ist etwas anderes als ein Airtag, den viele Manschen bereits nutzen, um zum Beispiel ihre Koffer auf Flugreisen im Auge zu behalten. Ein Airtag besteht nur aus einer kleinen Batterie und einem Bluetooth-Modul, mit welchem es eine Verbindung zu umliegenden Smartphones aufbaut. Es nutzt dann das GPS und das Internet des Smartphones, um den eigenen Standort mitzuteilen. Ist also kein Smartphone in der Nähe, oder besteht die Verbindung zu kurz, ist ein Airtag, welches sich in Bewegung befindet, nicht auffindbar. GPS-Tracker besitzen selbst ein GPS-Modul und mobiles Internet, wodurch es deutlich zuverlässiger ist und nicht auf externe Geräte angewiesen ist, um zu funktionieren.
Okay, und was bietet Ihr den Kunden damit?
Wir bieten eine besonders kostengünstige GPS-Lösung für Fahrzeuge an, welche mit einer modernen App funktioniert. Wir möchten keine Zahlen, Daten, Fakten-App liefern, sondern eine Möglichkeit, den Standort mit anderen zu teilen, um zum Beispiel im Urlaub Sicherheit und Entspannung zu bieten. Wir möchten, dass unsere Kundinnen und Kunden den Comeback-Tracker als Livestile und Urlaubs-Gadget zum Beispiel für ihr Wohnmobil sehen. Diesen Bereich werden wir daher in Zukunft mit weiteren Features ausbauen und uns damit noch weiter von der Konkurrenz abgrenzen. Auch für Motorradfahrer oder die Besitzer von Oldtimern ist das Produkt attraktiv.
Viele Personen sind auf der Suche nach mehr Sicherheit. Das Thema IOT und die Vernetzung von Dingen ist ein Mega-Trend. Viele Kinder haben smarte Uhren, worüber der Standort abgerufen kann. Man kann Handy-Profile vernetzen, sodass man den Standort des Partners oder der Partnerin sehen kann. Das gibt Sicherheit und Transparenz. Genau hier setzen wir an. Die Grundfunktionen eines GPS-Trackers, wie zum Beispiel die Benachrichtigung, wenn ein Ort erreicht oder verlassen wurde, geben Sicherheit und Planbarkeit. Nicht nur im privaten, sondern auch im geschäftlichen Bereich wie zum Beispiel für Handwerker, Autovermietungen und Autohäuser, sowie für Lieferdienste.
Wir haben kein Abo-Modell. Es gibt also keine automatische Verlängerung. Wir möchten hiermit besonders kundenfreundlich sein, da der Kunde nicht weiterzahlen muss, nur weil er vergessen hat, etwas zu kündigen.
Warum im StartRaum GL?
Wie können wir Dich im StartRaum GL weiter unterstützen?
Ich habe sehr lange ohne ein Netzwerk gearbeitet und musste mir dieses mühsam aufbauen. Leider bin ich erst viel zu spät auf den StartRaum GL aufmerksam geworden. Das kam schließlich im Gespräch mit der Bank. Ich habe mich bezüglich Förderungen von Start-ups beraten lassen. Hierbei kam der Mikrokredit der NRW Bank zur Sprache, welcher aber nicht wie andere Kredite über eine Hausbank, sondern ausschließlich direkt über die NRW Bank beantragt werden kann. Als Vermittler hierfür wurde mir der StartRaum GL ans Herz gelegt. Wir haben am Ende keinen Kredit benötigt und in Anspruch genommen. Da mir das Prinzip aber sehr gefallen hat und mir klar war, dass ich Unterstützung benötige, habe ich den netten Kontakt genutzt und angefragt, ob der StartRaum GL mich weiter begleiten würde. Ich bin sehr glücklich, dass das funktioniert hat.
Ich erhalte hierdurch sehr guten Kontakt zu anderen Gründern und Gründerinnen, sowie wertvolle Tipps zum Beispiel von Steuerberatern und zu Fördermitteln, sowie generell zum Aufbau meines Unternehmens. Die kompetente und kostenlose Beratung ist eine wertvolle Unterstützung um teure Fehler, besonders in der Frühphase zu vermeiden. Wäre ich schon früher im StartRaum GL gewesen, so wäre ich wohl deutlich schneller und kostengünstiger aufgestellt gewesen, als ich es war. Nun steht die Suche nach einem ersten Investor an. Auch hierbei werde ich tatkräftig vom StartRaum GL unterstützt.
Was waren bisher die größten Herausforderungen und wie hast Du sie gemeistert?
Die meisten Gründerinnen und Gründer haben wohl erst die Idee und möchten sich damit dann selbstständig machen. Bei mir war es aber andersherum. Ich wollte ein Unternehmen gründen, „nur“ eine Idee fehlte mir. Ich habe häufig Brainstorming betrieben und mich mit Freunden und meiner Partnerin unterhalten. Das große Problem war, dass manche Personen in meinem Umfeld jede Idee super, andere hingegen jede Idee schlecht fanden. Wichtig war hierbei, mit den Ideen hart ins Gericht zu gehen und sich in keine zu verlieben, bis sie von Kunden akzeptiert wurde. Wir sind mit einem GPS-Tracker an den Markt gegangen, wobei die zugehörige App zum Marktstart noch fast keine Funktionen hatte, außer einen Punkt auf einer Karte anzuzeigen. Wir haben somit einen extrem günstigen Tracker angeboten und den Kunden die Möglichkeit gegeben, sich bei Umfragen bezüglich der Weiterentwicklung zu engagieren. Die Resonanz war so gut, dass wir alle drei Monate eine neue Umfrage gestartet haben und in der Zwischenzeit die App genau so entwickelt haben, wie unsere Kunden das wollten. Das hat mir eine große Sicherheit gegeben, nicht am Bedarf vorbei zu entwickeln.
Wie siehst Du die Entwicklung Deiner Branche in den nächsten fünf Jahren?
Der Bereich GPS-Tracking wächst mit durchschnittlich 13% im Jahr. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Wachstum auch noch in den nächsten Jahren beibehalten wird. Der Trend IOT und die Vernetzung sind Mega-Trends, welche so schnell nicht abflachen werden. Die Technik hierfür wird immer günstiger, die Entwicklung immer schneller. Wir fokussieren uns derzeit auf den Online-Handel im B2C und werden in den nächsten Jahren auch das B2B beliefern. Hierbei werden wir neuartige Produkte auf den Markt bringen und den Mehrwert von GPS-Trackern deutlich erhöhen.
Welche Werte sind Dir und Deinem Unternehmen besonders wichtig?
Für mich ist es besonders wichtig, eine Kommunikation auf Augenhöhe zu betreiben. Es ist wichtig, die Einwände von jedem und jeder zu verstehen und ernst zu nehmen. Ein gesundes Maß an Selbstkritik ist hierbei entscheidend. Ich mag flache Hierarchien, da sie die Angst nehmen, sich nicht offen und frei äußern zu dürfen. Es ist mir wichtig, viele Facetten der Gesellschaft in meiner Firma widerzuspiegeln. Nicht nur, weil man auch privat sehr daran wachsen kann, sondern auch, weil die Kundinnen und Kunden sehr unterschiedlich sind und unterschiedliche Ansichten und Bedürfnisse haben. Diese sollten so gut wie möglich im Unternehmen wiederzufinden sein. Das behütet das Unternehmen vor schlechter Publicity und vor bösen Überraschungen.
Wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus?
Das absolut unbezahlbare an dem Aufbau eines Unternehmens ist, dass es eben keinen Alltag gibt. Natürlich gibt es Routine-Aufgaben, aber diese sind nur ein sehr kleiner Teil meiner täglichen Arbeit und unterscheiden sich auch je nach dem Level, auf dem sich das Unternehmen befindet. Zunächst war die Routine, eine Idee zu finden und zu hinterfragen. Dann ging es primär darum, die Idee zu entwickeln. Danach habe ich mich in den Aufbau einer Internetseite, den grundsätzlichen Aufbau der IT-Landschaft, sowie in die Platzierung bei Amazon eingearbeitet. Auch das Thema Businessplan und rechtliche Fragen waren immer wieder im Fokus. Nun sind wir vom Start-up auf dem Weg zum Scale-up. Internationalisierung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Auch die Mitarbeiterführung rückt vermehrt in den Fokus. Ich bin mir sicher, dass meine Arbeit auch zukünftig ganz anders sein wird, als sie es heute ist. Man bekleidet insbesondere am Anfang jeden Bereich einer Firma. Das ist natürlich sehr aufreibend, aber auch sehr lehrreich und spannend!
Gibt es ein Buch oder eine Person, die Dich besonders inspiriert hat?
Ich habe die Bücher „Rich Dad, Poor Dad“ und „Shoe Dog“ gelesen. Beide Bücher haben mir das Gefühl gegeben, es wirklich schaffen zu können. Außerdem hat es mir gefallen, dass ich beim Lesen mal nicht wirklich gearbeitet habe, aber es mir in Bezug auf die Firma trotzdem etwas gebracht hat.
Als Person ist mein Zwillingsbruder besonders herauszuheben. Er hat selbst ebenfalls das „Gründergen“ und hat noch nie nennenswert als Angestellter gearbeitet. Er ist von Anfang an eine große Unterstützung gewesen, da er die Hürden einer Gründung gut kennt. Aber auch meine langjährige Lebenspartnerin ist eine große Bereicherung. Egal ob ein Tag besonders gut oder anstrengend war. Sie hat immer ein Ohr für mich und schafft es, Situationen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ich bin davon überzeugt, dass ein solches Umfeld sehr wichtig ist, damit man als Gründer oder Gründerin die teils enormen Rückschläge verkraften kann.
Es ist wichtig, die zukünftigen Kundinnen und Kunden möglichst früh mit ins Boot zu nehmen, um Feedback zu erhalten und so nicht am Bedarf vorbei zu entwickeln.
Aron Brocher
Welchen Rat würdest Du anderen angehenden Gründerinnen und Gründern geben?
Habt immer das Problem im Fokus und nicht nur die Lösung. Es ist wichtig, die zukünftigen Kundinnen und Kunden möglichst früh mit ins Boot zu nehmen, um Feedback zu erhalten und so nicht am Bedarf vorbeizuentwickeln.
Wenn ich mit anderen über meinen Weg spreche, so höre ich ganz häufig das gleiche: „Ich wollte auch immer mal….“ Bei dem allerwichtigsten möchte ich gerne meinen verstorbenen Vater zitieren: „Junge. Damit etwas passiert, müssen drei Dinge gegeben sein: 1.: Du musst es wollen! 2.: Du musst es können! 3.: Du musst es… TUN!“
Herzlich willkommen, Aron, im StartRaum GL!
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