Success4Log: Mehr als nur Logistik

Logistik bedeutet weit mehr als ein Paket von A nach B zu transportieren. Sie ist der drittgrößte Wirtschaftsbereich in Deutschland und das Rückgrat von Handel und Produktion. Im Gewerbegebiet Diepenbroich in Overath hat die 27-jährige Dana Hamacher mit Success4Log ein Logistikunternehmen neu gegründet. Es setzt Klasse vor Masse, Qualität vor Preis und denkt Nachhaltigkeit mit. Gleichzeitig ist sie seit diesem Jahr in der Geschäftsführung des elterlichen Betriebs, der im Lager eine erstaunliche Menge rosafarbener Papierblättchen archiviert.

Wer in einem Online-Shop bestellt, möchte das Produkt so schnell wie möglich in der Hand halten. Bis er das tut, sind jedoch viele logistische Schritte notwendig: Lagerung, Kühlung, Zoll, Kommissionierung und Konfektionierung, Verpackung, Versand und nicht zu vergessen das Retourenmanagement.

Schwerpunkt auf junge, wachsende Unternehmen

Success4Log bietet alle diese Schritte an. Fulfillment nennt sich das in der Fachsprache. Dafür fokussiert sich Dana Hamacher insbesondere auf junge und wachsende Unternehmen. Solche zum Beispiel, die im eigenen Lager zu Hause ihre Ware selbst versenden, bis ihnen der Aufwand über den Kopf wächst. Bereits vor diesem Zeitpunkt berät die junge Unternehmerin ihre Kunden und begleitet sie über die Schwelle, ihre Logistik in professionelle Hände abzugeben, wenn diese ineffizient wird. „Wir bieten nicht nur Lagerplatz, wir denken mit, beraten und unterstützen“, sagt Dana Hamacher.

Ein Artikel kommt selten allein

Im Overather Lager findet sich ein bunter Mix an Handelsware: von Spielzeug und Bastelmaterial über Osternester und Haushaltswaren bis zu Batterien und Besteck. Das Warenwirtschaftssystem gibt aus, was wann wohin soll. Und vor allem was genau. Beim Kommissionieren kommen mehrere Artikel in ein Paket: Vier Teller, vier Brotmesser und vier Dessertmesser – die es zu unterscheiden gilt – oder auch fünf Teile aus fünf Kisten, um ein Osternest zu füllen. „Dazu noch ein Flyer oder Aktionsbeileger, eventuell in Geschenkpapier, verpackt, im optimalen Karton und dann ab ins Versandfahrzeug“, ergänzt die Logistikerin. Planschbecken in Hitzewellen und ähnlich „Dringendes“ werden auch am Wochenende versandt.

Retourenmanagement: der teure Alptraum für Händler

Doch damit ist der Prozess nicht beendet. Der Anteil der Retouren hat immense Formen angenommen.

„Für die Händler ist die Prüfung von Retouren häufig unwirtschaftlicher als die Entsorgung“, sagt Dana Hamacher. „Wir haben Händler, die sagen: Alles, was unter 20 Euro Verkaufspreis liegt, ist für mich ein Minusgeschäft bei der Retoure.“ Je nach Artikel ist die Prüfung für eine Wiederverwendung aufwändig; je nach Herkunftsland der Artikel die Rücksendekosten für den Händler indiskutabel. „In diesen Fällen geht die Retoure bestenfalls ins Recycling“, sagt Hamacher.

Die Unternehmerin hat eine Vision für eine bessere Retourenwelt. „Es geht darum, die Transportwege bei Retouren erheblich zu verkürzen und den Prüfungsaufwand in der Logistik zu minimieren“, erzählt sie, möchte aber noch nicht mehr verraten. Schon der Prototyp würde jedoch erhebliche Investitionen erfordern. „Mein Butter-und-Brot-Geschäft gibt so viel noch nicht her“, sagt Dana Hamacher. Am Vertrauen in ihre Idee ändert das nichts. Aktuell ist sie auf der Suche nach Business Angels oder Investoren, die sie bei der Verwirklichung der Idee unterstützen.

Laut Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg wurden in Deutschland im Jahr 2025 rund 550 Millionen Pakete als Retoure an Onlinehändler zurückgeschickt. Das entspricht fast jedem vierten versendeten Online-Paket und schätzungsweise weit über einer Milliarde einzelner Artikel. Im Durchschnitt gehen in Deutschland rund 950 Artikel pro Minute an Händler zurück. Die Modebranche ist mit hohem Abstand Spitzenreiter bei Rücksendungen.

Die Logistik muss Retouren annehmen, auspacken und genau prüfen, ob sie sauber und im einwandfreien Zustand sind, damit der Händler die Ware weiterverkaufen kann. Um diesen Aufwand und die damit verbundenen Kosten zu sparen, ist es für Unternehmen kurzfristig günstiger, die Ware zu entsorgen oder zu vernichten.

Zur Warenvernichtung gibt es nur wenige verlässliche Zahlen. Schon 2019 veröffentlichte die Universität Bamberg eine Studie, nach der knapp vier Prozent der Retouren vernichtet werden – das sind in Deutschland etwa 20 Millionen Produkte. Die Dunkelziffer ist hoch.

Im Februar 2026 nahm Dana Hamacher am MAKERTHON der NRW.Bank teil und belegte den 3. Platz. Die Challenge hatte das Ziel, innovative Ansätze für ein zukunftsfähiges Retourenmanagement zu entwickeln. Im Fokus standen dabei die Optimierung logistischer Abläufe, die Reduzierung von Kosten sowie die Integration nachhaltiger Aspekte im Sinne einer stärkeren Kreislaufwirtschaft

Beratung als weiteres Standbein

Dana Hamacher hat einen Master in Supply Chain Management, auf Deutsch: Lieferketten- oder auch Wertschöpfungsmanagement. Sie kann groß denken. Sie hat Erfahrung aus dem elterlichen Betrieb. Daher gehören auch die Logistik-Beratung und gezielte Optimierungs-Projekte zum Portfolio von Success4Log. Doch es gibt ein Handicap. „Mein Alter“, sagt sie, „und vielleicht auch, dass ich eine Frau bin. Die Großen lächeln mich da derzeit noch eher skeptisch an.“ Das stört sie nicht, sie kann es einordnen. Für mehr Erfahrung und Reputation hat sie sich älteren Beratern angeschlossen und leistet ihren Beitrag. „Mir fallen andere Sachen auf – zum Beispiel aus der Sicht vom Gabelstapler aus“, sagt sie. Ein Doktortitel, auch für mehr Reputation nach Außen, steht auf ihrem persönlichen Plan.

Zweifache Geschäftsführerin für Start-up und Nachfolge

Erfahrung im Logistikbetrieb hat Dana Hamacher jedoch deutlich mehr als die meisten in ihrem Alter. Schon seit Jahren ist sie als Assistentin der Geschäftsführung und im Customer Service des elterlichen Betriebs angestellt. In diesem Jahr wurde sie als potenzielle Nachfolgerin in die Geschäftsführung der VitaData GmbH aufgenommen. Für Vater Mario Hamacher war die Selbstständigkeit seiner Tochter dafür kein Hinderungsgrund. „Als ich ihm sagte, dass ich etwas eigenes machen will, sagte er: Ich wollte damals auch etwas eigenes machen“, erzählt die Tochter.

 

Mario und Dana Hamacher in den Jahren 2001 und 2025

VitaData: Eineinhalb Milliarden rosa Zettel

Was ihr Vater damals machte, war die Archivierung von Papier, und zwar von Arzt-Rezepten. Seine Kunden: Krankenkassen, die dafür eine Archivierungspflicht haben, aber keinen Platz. Heute lagern in einer der zwei Hallen in Overath säuberlich registriert 1,45 Milliarden dieser rosafarbenen DIN A6-Dokumente. Jeden Monat werden bis zu 12.000 davon nochmal abgerufen – und in den Regalen innerhalb von drei Minuten von Mitarbeitenden gezogen. Doch das ist eine eigene Geschichte.

Dana Hamacher und ihre Schwester sind in diesen Hallen aufgewachsen. „Als Kinder haben wir in den Gängen Verstecken gespielt und sind Rollschuh gefahren“, sagt sie lächelnd. Später half sie mit; ohne wirkliche Begeisterung. „Ich habe Flaschen etikettiert, das Lager gefegt, und ich musste immer allen Freunden erklären, was wir eigentlich machen“, erinnert sie sich.

KMU statt Konzern

Das änderte sich im Brexit-Jahr 2020. Angesichts dessen, dass Papier – auch für Rezepte – immer weniger werden würde, hatte die VitaData frühzeitig begonnen, auch andere Logistikfelder zu erschließen. Ein großer Batteriehändler kündigte an, 400 Paletten aus England in Overath lagern zu wollen. Weitere kamen aus China. „Wir hatten plötzlich 1.500 Paletten“, sagt Dana Hamacher. „Wir konnten uns nicht mehr umdrehen. Es gab Probleme mit dem Zoll. LKW wurden zurückgeschickt oder auf der Straße abgeladen. Die Nachbarn beschwerten sich.“ Ein Grundstück und eine weitere Halle in Marienheide brachten den Befreiungsschlag. „Das weiß hier jeder noch“, sagt sie. Für sie bedeutete es ein freiwilliges Jahr Pause zwischen Bachelor und Master.

„Ich war damals das erste Mal mittendrin“, erzählt sie. „Da erst wurde mir klar, was ein mittelständisches Unternehmen eigentlich bedeutet.“ Verantwortung haben, Entscheidungen treffen, Lösungen finden. Sie verwarf ihr bisheriges Ziel, in einem Automobilkonzern zu arbeiten, und stieg zu Hause mit ein.

Dana Hamacher

„Ich habe im elterlichen Betrieb viele wertvolle Erfahrungen für meine Selbstständigkeit gemacht.“

Anstrengender Alltag trotz Sprungbrett

Success4Log profitiert von der VitaData, auch wenn Kunden und Finanzen klar getrennt sind. Nur die Archivierung liegt noch bei der VitaData, sämtliche Handelsware bei der Succes4Log. Die Gründerin kann auf die VitaData-Mitarbeiter zurückgreifen, und sie kann die Hallen nutzen. „Das ist ein großes Sprungbrett, das ich da habe“, sagt sie.

Dana Hamacher ist angekommen in der Welt der Seecontainer, der Amazon-Lieferungen, die in Overath zwischengelagert und umgepackt werden, um sie dem Mega-Händler bedarfsgerecht zuzusenden. Ihr Tag ist voll. Zwischen neun und zehn Stunden braucht das Büro. Die Kunden erreichen sie rund um die Uhr. Zur Messe in Hannover fuhr sie morgens hin und abends zurück, inklusive Standaufbau. Bei Außenterminen wie Beratungen oder Akquise beginnt der Bürotag erst am späten Nachmittag. „Ich bin eigentlich eine, die immer sagt ‚mehr mehr mehr‘, aber ich muss auch die Grenzen erkennen“, stellt sie fest. Im April hat sie einen Mini-Jobber auftragsbezogen im Lager eingestellt, und ab September die erste Vollzeitkraft fürs Backoffice.

Qualität statt Preisdumping

Statt im aktuellen Preiskampf mitzumischen und möglichst viel Volumen anzunehmen, entschied sie sich für Qualität vor Quantität. „Gerade in unsicheren Zeiten und als junges Unternehmen wirkt es zunächst riskant, nicht alles ‚mitzunehmen‘, was an Aufträgen kommt“, sagt sie. „Doch nachhaltiges Wachstum ist nur dann möglich, wenn Prozesse sauber laufen und Kunden wirklich betreut statt abgefertigt werden“, sagt sie, und weiter: „Klarheit im eigenen Geschäftsmodell kostet Zeit und Geld, schafft aber langfristige Stabilität.“

Für ihre Kunden ist Dana Hamacher rund um die Uhr da. Für jeden hat sie eine individuelle Lösung und gewährt volle Transparenz durch Einsicht ins eigene Warenwirtschaftssystem. Ein Mindestvolumen, wie bei vielen anderen, hat sie nicht. Zur Verpackung spricht sie mit den Kunden für weniger Plastik und mehr Papier. Ein Kunststoffband nach Tokio sei ok, aber nicht von Overath nach Düsseldorf.

Zwei Jahre der Entwicklung

„Das Gründungsjahr 2024 war ein Rumpfgeschäftsjahr mit einem Minus, 2025 stand ein Null-Ergebnis und für 2026 prognostiziert Dana Hamacher angesichts der aktuellen Auftragslage ein Plus. „Es trägt sich. Sonst hätte ich keine Mitarbeiterin eingestellt“, sagt sie. Inzwischen hat sie sich vernetzt, zum Beispiel mit anderen Gründerinnen und Gründern im StartRaum GL und mit den Wirtschaftsjunioren der IHK, nimmt an Workshops und Panels – auch als Referentin – teil. Vieles hat funktioniert, einiges ging schief. „Aber auch das gehört dazu, genau wie Fehler“, sagt sie. „Diese ganzen Erfahrungen hätte ich im elterlichen Betrieb selbst mit einer neuen Abteilung nicht gemacht.“ Darunter ein Kunde, der getäuscht hat, kaum Freizeit, Dinge tun, weil sie getan werden müssen, ob man sie mag oder nicht. „Ich habe keinen Vertriebler. Wenn ich keine Kaltakquise mache, macht es niemand.“

Rückhalt Familie

Ihre Kraft erhält Dana Hamacher in der Familie. Neben den Eltern ist da die vier Jahre jüngere Schwester Viola, die sich um Marketing und Social Media kümmert und ihr vor der Abfahrt zur Messe noch ein Carepaket packt. Ihr Onkel ist in der Messetechnik tätig, und der Freund der Cousine als Versicherungsmakler. Zu Hause wartet abends ihr Freund, der ebenfalls in der Nachfolgeposition eines bergischen Unternehmens steht. Das schafft Verbindung und Verständnis. Ein Pferd, mit dem sie im Dressursport aktiv ist, und ein Hütehund, der sie ins Büro begleitet, gehören auch zur Familie.

Am Ausgang des Gebäudes ist ein Zimmer mit einem großen Tisch, an dem an einzelnen Tagen „viele dankbare Rentner mit 500-Euro-Jobs sitzen“. Heute sind sie nicht da, aber, so sagt die Unternehmerin: „Hier sind Freundschaften entstanden.“ Dana Hamacher ist nicht nur im anspruchsvollen Wirtschaftsleben eines Start-ups angekommen. Sie ist auch fest in den klassischen Werten eines Familienunternehmens verwurzelt.

Text: Karin Grunewald
Fotos: Success4Log GmbH

Nach oben scrollen