Umfulana fördert nachhaltiges Reisen

Reisen gehört für viele Deutsche fast zur Lebensgrundversorgung. Wobei die Urlaubsfreude immer häufiger durch ein schlechtes Gewissen getrübt wird, denn: Autos, Schiffe und Flugzeuge schaden mit dem, was sie ausstoßen, der Umwelt. Dass Reisen und Schutz der Natur sich in gewissem Maße dennoch verbinden lassen, zeigt modellhaft Umfulana in Kürten. Der familiengeführte Veranstalter für individuelle weltweite Reisen setzt sich engagiert für Nachhaltigkeit ein – sowohl im Unternehmen als auch bei allen verkauften Touren.

„Es wäre falsch, mit dem Reisen aufzuhören“, ist Tobias Garstka überzeugt. Er ist Mitgründer, Inhaber und Geschäftsführer von Umfulana und denkt bei diesen Worten an die Finanzierung von Wildschutzgebieten, an Serengeti und Gorillas: „Ohne Touristen wären die vielleicht nicht mehr da.“ Zudem erhöhe der Tourismus das Einkommen der örtlichen Bevölkerung an den Reisezielen. Was den 48-jährigen Kürtener allerdings umtreibt, ist die Frage: Wie wird gereist? Darauf gibt er mit Umfulana inzwischen verblüffende Antworten, in deren Zentrum das Zauberwort Nachhaltigkeit steht. Ein Wort, das bei Firmengründung noch nahezu unbekannt war …

Tobias Garstka lernte in Kürten über die evangelische Jugendarbeit Pfarrer Martin Bach kennen, der einige Jahre später mit seiner Familie von Delling nach Südafrika umzog. Dort organisierte der Pfarrer für so viele Besucher individuelle Reisen, dass er 1998 mit dem frischgebackenen Bankkaufmann Tobias Garstka daraus ein Gewerbe machte. Sie gründeten Umfulana, was auf Zulu „Bach“ bedeutet. Eine südafrikanische Garage und eine Kürtener Dachkammer waren der Start des individuellen Reiseanbieters, dessen Kundenstamm stetig wuchs. Als Martin Bach 2002 nach Deutschland zurückkehrte, wechselte er ganz ins Reisefach. 2011 bezog das Unternehmen in Kürten einen Neubau: ein außergewöhnliches Holzhaus, als Passivhaus konstruiert und inzwischen auf rund 600 Quadratmeter erweitert.

Umfulana GmbH
Karlheinz-Stockhausen-Platz 7

51515 Kürten
Tel. +49 2268 92298-0
info@umfulana.de
www.umfulana.de

Umfulana Geschäftsfüher Tobias Garstka und Benjamin Bach

Umfulana freut sich Jahr für Jahr über zweistellige Umsatzsteigerungen. „Das Plus bei uns ist, dass wir den Leuten raussuchen, was zu ihnen passt“, erklärt Tobias Garstka den Erfolg. Vom Städtetrip bis zur Weltreise, von der Tour mit dem eigenen Wagen bis zu der mit Rad, Mietwagen oder Fahrer. 33 Mitarbeitende in Kürten und acht am südafrikanischen Standort Salt Rock kümmern sich um die reiselustigen Kunden, die längst nicht nur aus Deutschland kommen, sondern oft aus der Schweiz und bisweilen sogar aus Übersee. Internet macht es möglich.

Reisen dauern im Schnitt 17,7 Reisetage

Die hauseigene IT-Abteilung erstellt nicht nur die kommunikative Homepage, sondern auch alle praktischen Tools, die das Reisen angenehmer machen – oder dessen interne Auswertung ermöglichen. So lässt sich mit wenigen Klicks erkennen, dass Kunden im Schnitt 17,7 Reisetage buchen, die pro Tag durchschnittlich 176,13 Euro kosten. Die Spanne reicht von der Afrikareise für sechs Personen im Wert von 120.000 Euro bis zur Ein-Personen-Tour für 2.500 Euro. „Wir behandeln jeden Kunden gleich“, sagt Tobias Garstka. „Für jeden ist es ein Traum und eine unvergleichliche Zeit.“

Damit diese unvergleichliche Zeit nicht zu stark auf dem Buckel der Umwelt ausgelebt wird, hat das Team von Umfulana nach und nach einige Neuerungen in Punkto Umweltschutz und Nachhaltigkeit eingeführt. Darunter diese:

Die hauseigenen IT-Experten haben eine App entwickelt, die jedem Reiseteilnehmer zur Verfügung steht. Sie enthält alles, was das Reiseherz begehrt: Route, Kontakte, Sehenswertes, Vorschläge für Unternehmungen vor Ort, Infos und Tipps. „Sie lässt sich auch als Navi nutzen“, erklärt Tobias Garstka. Dann wird dem Fahrer nicht die gängige Google-Strecke angezeigt, sondern die von Umfulana empfohlene.

Wer lieber unterwegs in Papier blättert, kann die Reiseunterlagen weiterhin ausgedruckt erhalten.

Seit kurzem kompensiert Umfulana den CO₂-Fußabdruck jeder gebuchten Kundenreise (ohne Anreise) komplett, indem es entsprechend hohe Beträge an Kompensationsprojekte spendet.

Das Buchungssystem von Umfulana errechnet erstens den CO₂-Fußabdruck, der durch An- und Abreise jeder Buchung entsteht. Zweitens ermittelt es die Spendenhöhe für ein ökologisches Projekt, mit dem er sich kompensieren lässt. Beispielsweise erzeugt ein Hin- und Rückflug nach Kapstadt/Südafrika vier Tonnen CO₂, was sich mit 60 Euro (15 €/t) kompensieren ließe. Der Kunde wählt selbst aus, wieviel er kompensieren möchte, also wie hoch sein finanzieller Beitrag sein soll. Teils gegen Spendenbescheinigung.

Auswählen darf der Kunde auch, in welches von zwei Projekten sein Beitrag – zu hundert Prozent – fließt:

Wilderness International – eine Stiftung 

Nach Unterstützung diverser Natur-Projekte fördert Umfulana seit 2023 diese Stiftung. Für das Geld, das Reisekunden diesem Zweck zugutekommen lassen, wird – derzeit in Peru – Land mit Grundbucheintrag gekauft und so dauerhaft geschützt. Die Formel ist einfach: 1 € schützt 1 m². „Wir haben schon über 100 000 m² Regenwald geschützt“, freut sich Tobias Garstka. Wer spendet erhält eine Urkunde mit den Geokoordinaten und ein Luftbild des geschützten Waldstücks. Spendenbescheinigung inklusive.

Ilanga – ein Verein (siehe nächster Punkt)

Ilanga (das Zulu-Wort bedeutet „Sonne“) wurde aus dem Umfeld von Umfulana heraus 2020 als Verein gegründet. Vorsitzender ist Umfulana-Mitgründer Martin Bach. Ilanga fördert im südlichen Afrika, wo regenerative Energien bisher kaum genutzt werden, den Bau von Photovoltaikanlagen, indem der Verein bei jeder neu installierten Anlage auf Antrag einen Zuschuss erteilt.
Tobias Garstka erklärt: „Die eingesparte Menge CO₂ soll mindestens so groß sein wie der CO₂-Ausstoß, den unsere Kunden durch ihre Flüge verursachen.“ In der Kalkulation wird der CO₂-Abdruck der Kunden nach fünf Jahren neutralisiert – und nach zehn Jahren sogar um den Faktor 2 überkompensiert.

Helikopterrundflüge und ähnlich CO₂-lastige Aktivitäten fehlen in den Listen der Umfulana-Reisevorschlägen. „Wir achten kritisch darauf, was für Aktivitäten wir anbieten“, so Tobias Garstka. Kunden können solche Unternehmungen zwar buchen, jedoch nur eigeninitiativ auf ausdrücklichen Wunsch.

Das Umfulana-Team hat ein hauseigenes System erarbeitet, um „nachhaltige Unterkünfte“ zu zertifizieren. Kriterien sind verwendete Baumaterialien, Beschäftigung örtlicher Handwerker, Verwendung regionaler Lebensmittel, Angebot vegetarischer Kost, artgerechte Tierhaltung, Nutzung regenerativer Energien und vieles mehr. Die Zertifizierung als nachhaltige Unterkunft basiert auf der Selbstauskunft der Unterkünfte, denn Tobias Garstka findet es gar nicht gut, „wenn wir mit erhobenem Zeigefinger dastehen“ und gewissermaßen von oben Rankings vergeben. Wenn eine Unterkunft Interesse an der Zertifizierung habe, werde sie aktiv und fülle einen Fragebogen aus. Er ermöglicht auf dem Weg zum Zertifikat auch zu erkennen, an welchem Punkt gegebenenfalls nachgebessert werden sollte. Inzwischen hat Umfulana rund 200 nachhaltige Unterkünfte im Portfolio.

Viele Mitarbeitende bei Umfulana machen pro Jahr eine längere Dienstreise. Gern gesehen ist, was anderswo verpönt ist: die Kombi mit privaten Urlaubstagen. Das reduziert weitere Hin- und Rückreisen. Ein Gewinn fürs Klima!

Diese durch Corona inspirierte Neuerung vermindert Autofahrten und damit CO₂. Mitarbeitende können bis zu drei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten und zudem „Fix“-Zeiten, in denen sie für Kunden verlässlich ansprechbar sind, mit täglich veränderbaren „Flex“-Zeiten kombinieren.

„Wir rechnen seit 2022 aus, wieviel CO₂ wir als Unternehmen produzieren“, berichtet Tobias Garstka, „so können wir gucken, wo es eventuell Einsparpotenzial gibt.“ 2023 erschien der erste Nachhaltigkeitsbericht – einsehbar auf der Umfulana-Website: Autofahrten, Computer, Verköstigung, Dienstreisen und Wäsche hatten sich auf 60 Tonnen CO₂ summiert – und wurden in den unternehmensgeförderten Projekten kompensiert.

Dieses engagierte Team schaut, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um Unternehmen und angebotene Reisen noch nachhaltiger zu gestalten. Zum hauseigenen Standard gehören bereits Hafermilch, Verpackungsreduzierung und ein Aufbereitungsgerät am Küchenwasserhahn, der Wasserflaschen überflüssig macht.

Tobias Garstka

„Es ist wichtig, dass man als Unternehmen voran geht.“

Als Unternehmen nachhaltig vorangehen

So viel Einsatz für umweltgerechteres Reisen, wird das honoriert? Noch nicht, meint Tobias Garstka. Die wenigsten würden derzeit beim Urlaub Wert auf Nachhaltigkeit legen. „Der Reisende sagt ,Jetzt will ich was Schönes‘. Er will nicht die Welt retten.“ Das frustriert den realistischen 48-Jährigen nicht, sondern treibt ihn an: „Deswegen ist es wichtig, dass man als Unternehmen vorangeht.“

Auch in anderer Hinsicht beschreitet Umfulana immer wieder neue Wege. So ist die Website zu einem umfangreichen Lesebuch angewachsen, das Reiseberichte von Mitarbeitenden beispielsweise aus Marokko, Neuseeland oder Schottland bietet, Kundenstimmen aus aller Welt, Reisehighlights und Tourenvorschläge mit Preisbeispielen. Eigene Fotos lassen sich sogar mit ein paar Klicks als Postkarte versenden. Seit kurzem gibt es zudem (viel genutzte) Audios, die im hauseigenen Studio produziert werden: So lässt sich nun auch per Podcast in den Oman oder nach Australien reisen. Videos sollen folgen.

Wachsende Erwartungen

Nicht nur die Medienlandschaft habe sich mit den Jahren verändert, sondern auch das Reiseverhalten der Urlaubsuchenden, sagt Tobias Garstka. „Grundsätzlich ist Europa gewachsen.“ Zugenommen habe auch der Urlaub mit Rad oder eigenem Auto, gern ab zu Hause.

Gewachsen seien zudem die Erwartungen: „Es reicht nicht mehr, dass man nach Costa Rica fliegt“, so Tobias Garstka, „sondern man muss dort auch verschiedene Dinge gemacht haben.“ Aktivitäten spielten eine immer größere Rolle, inklusive der Fotos, die dabei gemacht und in sozialen Medien gepostet würden. Um im Sinne der Umwelt auf Helikopterflüge und Quad-Touren verzichten zu können, hat das Umfulana-Team Alternativen für außergewöhnliche Reisemomente im Programm. Wie wäre es mit einem Busch-Frühstück in Afrika, dem Beobachten von Bären im Norden, einer Elch-Safari, einem Dschungelritt oder einem Besuch der Glühwürmchenhöhle in Neuseeland?

Über 91 000 Reisende hat Umfulana bisher betreut. Auch Corona konnte die Erfolgsgeschichte nicht stoppen.

Während der Corona-Pandemie lag die Reisebranche am Boden. „Ich glaube, wir hatten etwa 200 Kunden damals, die noch nach Hause mussten“, erinnert sich Tobias Garstka an den Lockdown. Stress pur war eine Nacht-und-Nebel-Aktion, bei der eine Familie mit Kind binnen zwei Stunden mit dem letzten Flug aus Neuseeland heimgeholt wurde.

Auch in Kürten war es nervenaufreibend: Wie geht es mit der Firma weiter? Es gab Kurzarbeit, manche Mitarbeiter suchten sich Nebenjobs. Staatliche Hilfen halfen, reichten aber nicht. „Zum Glück hatten wir Rücklagen“, berichtet Tobias Garstka. Umfulana musste Millionenbeträge an Erstattungen auszahlen, oft wurden Voucher ausgestellt. „Manche Kunden spendeten sogar den Reisepreis – das war unglaublich!“ So überlebte Umfulana.

Die Kürtener Unternehmensreise hat jüngst nochmal Auftrieb erhalten – gewissermaßen auf nachhaltige Weise: Junior Benjamin Bach, 31, ist für seinen Vater in die Geschäftsführung nachgewachsen – auf individuelle, ungeplante Art. Er hatte Musik und Englisch studiert, wollte Lehrer werden. Doch es funkte nicht zwischen dem jungen Mann und diesem Beruf. Dann habe Vater Martin Bach eines Tages im Jahr 2015 seine fünf Kinder mal „zu Tisch gebeten“ und erklärt, es wäre sein Wunsch, Umfulana langfristig als Familienunternehmen weiterzuführen, erzählt Benjamin Bach. Die Idee keimte in ihm. 2018 machte er ein erstes Praktikum im Unternehmen, arbeitete dann dort als Werkstudent und wurde schließlich 2023 – nach Abschluss des Studiums – angestellt. In die Geschäftsführung, die der Vater 2021 aufgegeben hatte, folgte er 2025 – als Sparringspartner von Tobias Garstka. Für Umfulana eine Ideallösung.

Von der Lodge in Südafrika über das Herrenhaus in Frankreich, von den schottischen Highlands nach Lissabon und Barcelona oder in ein Bed and Breakfast nach Neuseeland – den Wünschen sind kaum Grenzen gesetzt. Und vor Ort lässt sich mit Umfulana-App gut navigieren.

Lieber eine lange Reise statt zwei kurze

Nach ihrem Lieblingsland gefragt, antworten beide Geschäftsführer unisono: Südafrika. Für ihre Kunden rangiert dagegen Frankreich auf Platz 1, gefolgt von Italien, Südafrika und Namibia. Jüngster Neuzugang unter über 30 Reiseländern: Dänemark. Stillstand gibt es nicht.

Die Zukunftswünsche der Umfulana-Chefs sind nachhaltig geprägt. „Eine Reise nur mit nachhaltigen Unterkünften zu planen – das ist ein Ziel“, sagt Tobias Garstka, der schon Touren für E-Autos in Europa konzipierte. Außerdem wäre ein gemeinsames Buchungssystem mit der Deutschen Bahn toll: „Da könnte man super Sachen machen, Kombinationen mit Bahn und E-Auto. Aber da hinkt die EU hinterher.“

Ein Wunsch der Reisefachmänner richtet sich an die Kunden: „Es wäre schön, wenn jeder sich mehr Zeit nimmt für seine Fernreisen. Also nicht zweimal nach Südafrika, sondern lieber einmal mehr als drei Wochen. Damit kriegt man den CO₂-Ausstoß auch runter!“

Kundenfreundliche Website zum Fernweh-Stöbern

Reiselust? Dann lässt sich im ersten gedruckten Umfulana-Magazin blättern. Oder auf der Website durch Podcast-Folgen das Fernweh triggern, in Erlebnisbeiträgen Fremdes kennenlernen, in Rundreise-Vorschlägen stöbern oder online direkt ein Beratungstermin vereinbaren. Egal, ob es um Flitterwochen, Radreisen, Kulturinteresse, Gourmetfreuden, Sportangebote, Meerliebe, Wanderfreuden, um kleine persönliche Unterkünfte oder Luxusherbergen, um Singletour oder Familienreise geht: Die Verwirklichung der individuellen Reisewünsche kann mit einem Klick auf „Reiseplanung starten“ sofort beginnen.

Text: Ute Glaser
Fotos: Umfulana und Ute Glaser

Und hier noch ein Blick ins Umfulana-Haus in Kürten mit Mitarbeiterküche, Podcast-Studio, Vielzweckraum und Hagrid´s Hütte.

Nach oben scrollen