Weil mehr geht: Das dritte Job-Event von Frauen für Frauen

Berufliche Orientierung, neue Perspektiven und echte Begegnungen auf Augenhöhe – unter dem Motto „Jetzt bin ich dran!“ kamen rund 130 Frauen beim dritten Job-Event von Frauen für Frauen im TechnologiePark Bergisch Gladbach zusammen. Eingeladen hatten die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW) und die Wirtschaftsförderung des Oberbergischen Kreises. Der Abend bot Raum für Austausch, Mutmach-Geschichten, praxisnahe Einblicke und ein starkes Netzwerk – mit dem Ziel, Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu bestärken, zu vernetzen und zu inspirieren.

Ein Abend voller Mut, Inspiration und Miteinander

Ganz viele Hände gingen in die Luft und zeigten das Herzsymbol – eine eindeutige Antwort der Frauen auf Bianca Degiorgios Frage in ihrer Begrüßung: „Wo steht ihr beruflich gerade? Gibt es bei euch noch Luft nach oben und habt ihr den Eindruck, dass da bei euch noch mehr gehen könnte? Dann dürft ihr einmal dieses berühmte Herzsymbol in die Luft halten!“ Degiorgio freute sich sichtlich über die vielen Herzen: „Also, ihr wollt einfach mehr und das passt ja ganz wunderbar zu unserem Motto: Jetzt bin ich dran! Und dann schauen wir heute doch gemeinsam mal, was denn für euch beruflich hier noch mehr geht!“ Bianca Degiorgio von der RBW hatte gemeinsam mit ihrer Kollegin Nicole Breidenbach von der Wirtschaftsförderung im Oberbergischen in den TechnologiePark Bergisch Gladbach geladen – zum dritten Job-Event von Frauen für Frauen. Rund 130 Frauen waren der Einladung gefolgt und hatten Lust, sich auszutauschen, zu netzwerken, Kontakte zu knüpfen und sich vor allem inspirieren zu lassen.

„Für mich geht es tatsächlich heute sehr ums Netzwerken und auch nochmal zu reflektieren, was für mich noch gehen könnte“, sagte Esther aus Bensberg, Lehrerin für Pflegeberufe. Denia, Eventmanagerin ebenfalls aus Bensberg, pflichtete ihr bei: „Für mich ist es hier heute so ein bisschen Reise auf dem Regenbogen. Inspiriert zu sein und neue Impulse mitzunehmen, aus denen ich dann vielleicht auch wieder schöpfen kann.“

Das Wort ‚Inspiration‘ hörte man an diesem Abend häufig. Dafür sorgten unter anderem elf Unternehmen aus dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen, die sich im Saal der Kantine an Ständen präsentierten und den Frauen Jobperspektiven aus den unterschiedlichsten Bereichen boten – vom Gesundheitswesen, der IT-Branche, der Industrie bis hin zur Verwaltung war alles dabei. Daneben konnten sich die Frauen in Kurz-Workshops ausprobieren oder sich an Beratungsständen zur Selbstständigkeit oder über Fortbildungen informieren. Und auch hier: Von Frauen für Frauen! Männer waren an diesem Abend auch an den Unternehmens- und Beratungsständen Mangelware. Aus gutem Grund sagt Nicole Breidenbach: „Wenn ich in Gesprächen mit Frauen bin, erlebe ich es ganz häufig, wenn wir in einer Männerrunde sind, dass Frauen sich nicht trauen, bestimmte Themen anzusprechen. Deshalb haben wir hier diesen geschützten Raum, um in den Austausch zu gehen.“ Sie appelliert an die Frauen in ihrer Begrüßung: „Wir möchten euch ermutigen, nutzt heute hier diesen Raum, um mit den unterschiedlichsten Frauen, Beraterinnen und auch unseren tollen Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen in Kontakt zu treten.“

Mutig, echt, miteinander – vier Frauen teilen persönliche Erfahrungen

Vier Stühle, einander zugewandt in der Mitte mehrerer Stuhlreihen – schon das Setting der Panel-Diskussion mit vier spannenden Frauen aus dem Bergischen war ungewöhnlich. Keine Bühne, kein Podest, die vier Frauen aus Industrie, Gesundheit, Hochschule und Handwerk saßen sich gegenüber – inmitten der vielen interessierten Zuhörerinnen, die gespannt waren auf die persönlichen und beruflichen Lebenswege der Speakerinnen. Ein Setting mit Symbolcharakter. Denn den Organisatorinnen war wichtig, dass sich die Frauen in den Erfahrungen wiederfinden: „Wir wünschen uns bei dieser Runde, dass ihr zuhört und zwischendurch vielleicht immer wieder für euch sagt: Ja, das kenne ich auch – da kann ich andocken!“ Auch die berufliche Reise der Speakerinnen war nicht immer gradlinig, auch mal von Zweifeln und Umwegen geprägt, gemeinsam haben sie aber, dass sie alle mutig ihren Weg gegangen sind, betonten Degiorgio und Breidenbach in ihrer Einleitung zur Diskussionsrunde.

Positive Kommunikation hilft!

„In Lösungen denken: Warum geht es doch oder wer kann mir helfen? Und nicht direkt zu sagen, das funktioniert ja eh nicht.“

  • zusammen mit ihrem Bruder die Nachfolgegeneration im Familienunternehmen
  • hat BWL studiert und in einer Unternehmensberatung gearbeitet, aktuell Projektleiterin Firmenentwicklung im Unternehmen
  • mit eine der Jüngsten im Betrieb und eine der wenigen Frauen

Daran konnte Maja Supe-Dienes von den Dienes Werken für Maschinenteile in Overath auch direkt anknüpfen: Sie ist vor kurzem als junge Frau in den Familienbetrieb eingestiegen und hinterfragt gerade als Projektleiterin Firmenentwicklung Prozesse im Unternehmen. Da blieb Gegenwind nicht aus: „Ich habe tatsächlich anfangs gedacht, alle freuen sich jetzt total, dass ich da bin. Aber das war natürlich nicht so. Da war erstmal eine gesunde Skepsis dabei. Jeder hat sich gefragt, was will die denn jetzt?“, erinnert sich Supe-Dienes an ihren Start im Betrieb. „Da wird einem schon auch Selbstvertrauen genommen, weil man dann erstmal in Frage gestellt wird.“ Ihr Learning: Kommunikation ist das A und O, um langsam Vertrauen aufzubauen. Auch weiß sie jetzt: „Probleme kommen nie gut an. Lösungen sind immer besser. Ich mache mir also Gedanken, wie ich Dinge verpacke, damit das Gute in Aussicht gestellt wird. Und wenn man dann einen Plan hat, der transparent ist und den auch teilt, schafft man es auch, die Leute mitzunehmen.“

Trotzdem sei es nicht immer einfach, sich in einer vermeintlichen Männerbranche zu behaupten – auf Bianca Degiorgios Frage, ob sie es womöglich leichter gehabt hätte, wenn sie ein Mann gewesen wäre, musste Maja Supe-Dienes lachen: „Schwer zu sagen. Aber ich bin ja mit meinem Bruder im Tandem unterwegs, insofern habe ich schon einen kleinen Vergleich. Und ich dachte eigentlich, dass ich die empathischere und einfühlsamere bin, aber musste feststellen, das ist in dem Kontext überhaupt nicht so.“ Ihr Bruder sei viel schneller auf einer Wellenlänge gewesen und wurde auch schneller besser verstanden. „Diese Bromances gibt es! Und man muss als Frau auch nicht glauben, dass man dazwischen kommt und mit auf einer Welle schwimmt. Aber das ist auch okay so“, hat sie inzwischen akzeptiert. Es habe ihr viel Mut abverlangt, die Verantwortung zu übernehmen und sich zuzutrauen, in den Familienbetrieb einzusteigen und so auch den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. „Da klopft dir aber keiner auf die Schulter und sagt, Mensch, das finde ich aber klasse. Da muss man unheimlich viel Eigeninitiative aufbringen und sich immer wieder Mut machen“, bekräftigte Maja Supe-Dienes. Möchte sie den Frauen etwas mitgeben? „Einen Plan zu haben ist immer gut. Auch wenn man ihn abändert, gibt es einem Sicherheit. Und dann muss man Themen priorisieren: Was ist mir gerade am wichtigsten? Und ganz wichtig ist eben das Thema Kommunikation. Die Leute können einem nicht in den Kopf gucken und wissen, was darin vor sich geht, sondern man muss sich mitteilen.“

Seid mutig und steht für Euch ein!

Auch für Kaija Elvermann, Leiterin des Gesundheitsamtes im Oberbergischen Kreis, ist Kommunikation das zentrale Werkzeug in ihrer Führungsposition. “Du bist sehr daran interessiert, viele Frauen in deinem Team zu haben und es hat sich herumgesprochen, dass man bei dir eine tolle Arbeitsatmosphäre hat und auch sehr eigenverantwortlich arbeiten kann“, so Nicole Breidenbach in ihrer Einführung. Für Kaija Elvermann ist es selbstverständlich, in ihrem Amt Frauen zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Wünsche zu äußern: „Wir sind so sozialisiert worden in unserer Erziehung, dass wir eben erwünschtes Verhalten zeigen und unerwünschtes nicht. Diese Rollenbilder sind in unseren Köpfen drin. Und deshalb ist es ganz wichtig, dass wir für uns selber einstehen.“ Sie möchte an dem Abend vor allem Mut machen: „Um vielleicht ein bisschen zu zeigen, es ist nicht alles immer Gold, was glänzt und es läuft auch nicht immer alles glatt. Wir alle haben Hürden zu überwinden. Aber das sollte uns nicht entmutigen.“

„Egal was im Leben passiert, bleibe immer bei dir selbst und sorge gut für dich. Denn nur dann kannst du in dein aufregendes Leben starten und die Herausforderungen meistern.“

  • Kinderärztin, Fachärztin im Gesundheitswesen
  • hat sowohl in der Praxis als auch im Klinikum gearbeitet
  • seit fast 20 Jahren im öffentlichen Dienst
  • fördert und unterstützt Frauen in der Weiterbildung

Auch sie selbst hatte ihre Zweifel, als sie damals für die Position der Amtsleiterin angefragt wurde – als Ärztin und Mutter mit kleinen Kindern. Und trotzdem habe sie die neue Aufgabe sehr gereizt: „Es gehört Mut dazu, sich auf was komplett Neues einzulassen. Aber ich habe diese Entscheidung dann für mich getroffen und habe auch miteinkalkuliert, dass es vielleicht auch nicht gut werden kann. Das Scheitern und ein Plan B waren damals auch in meinem Kopf. Aber ich dachte: Probier es mal aus, vielleicht geht es ja gut und wenn nicht, machst du halt was anderes!“ Sie möchte die Frauen im Saal ermutigen, die Dinge auch mal auf sich zukommen zu lassen, denn „es ist nicht immer alles perfekt und vorhersehbar, was man irgendwann mal erreichen kann.“

Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf räumte Kaija Elvermann ein, dass es auch bei ihr ohne fremde Hilfe nicht funktioniert hätte: „Natürlich müssen Kinder Bezugspersonen haben, aber man muss auch das Vertrauen darin haben, dass Kinder auch von anderen Menschen gut betreut werden können.“ Dabei relativierte sie auch den Begriff ‚Rabenmutter‘: „Das ist typisch deutsch. Dieses Narrativ gibt es in anderen Ländern gar nicht. Das hat mir sehr geholfen.“ Ihr Tipp an die anwesenden Frauen: Selbstfürsorge! „Denkt alle möglichen Betreuungspersonen in eurem Umfeld mit. Und denkt letztendlich auch an euch selbst. Das ist total wichtig, auch sich selbst zu entlasten, indem wir uns eingestehen, dass wir das nicht alles alleine managen müssen, sondern ein Netzwerk haben mit Menschen, die sich auch gut um die Kinder mitkümmern.“

Es ist nie zu spät!

„Ich hoffe, die Frauen spüren nach diesem Event ein leichtes Kribbeln im Bauch mit ein bisschen Fantasie und Kreativität und auch eine gehörige Portion Mut, Dinge anzugehen.“

  • Geschäftsführerin in 2. Generation seit 2024
  • Ausbildung als Raumausstatterin in Köln, Betriebswirtin Fachrichtung Möbel
  • nach Stationen in Basel und Köln Einstieg in den Familienbetrieb
  • Verfechterin offener Kommunikation in einem Frauen dominierten Team

„Ich erkenne mich total wieder und konnte schon ganz viel mitnehmen“, sagte Lina Reitz, Geschäftsführerin des Raumausstatters Reitz Lebensräume in Bergisch Gladbach, als sie in der Runde über ihre Erfahrungen spricht. Auch sie ist im letzten Jahr in zweiter Generation in den Familienbetrieb eingestiegen und führt ein Team aus fast nur Frauen „und meinem Vater“, lachte Reitz. Auch für sie war es am Anfang nicht leicht, mit ihrer Berufserfahrung nach diversen Stationen auch im Ausland zurück in den Familienbetrieb zu kommen und mit den Eltern zusammenzuarbeiten – da gab es auch Zweifel, ob das funktioniert: „Ich musste erstmal gucken, geht das überhaupt? Schaffen wir es, eine Ebene zu finden, die eben nicht Mama und Papa und Kind ist, sondern eine Ebene, dass wir miteinander auf Augenhöhe arbeiten können?“ Nach drei Monaten kam es dann zum ordentlichen Krach. „Und dann haben wir uns wieder vertragen und da war uns dann klar: Wenn wir uns immer wieder vertragen können, dann können wir auch miteinander arbeiten. Und das hat uns dann zusammengeschweißt“, so Lina Reitz.

Gegenseitiges Verständnis und offene Kommunikation innerhalb des Teams liegen auch ihr besonders am Herzen. Bei Reitz Lebensräume wird offen miteinander gesprochen und man hört sich zu: „Dieses Verständnis und auch die Toleranz in vielen Dingen füreinander sorgt dafür, Vertrauen aufzubauen und dass man familiärer miteinander wird – eben nicht diese Ellenbogengesellschaft hat, sondern einen Zusammenhalt.“ Das äußert sich dann im Betrieb auch darin, dass das Team jeden Tag gemeinsam eine Stunde Mittagspause macht und dabei über Gott und die Welt diskutiert. Auch Lina Reitz möchte den Frauen Mut machen, die Dinge anzugehen: „Ich glaube tatsächlich, dass es, egal wie alt man ist, kein zu spät gibt. Ich knüpfe das daran, dass wir in einer gesünderen Gesellschaft leben würden, wenn alle ihren Job nochmal hinterfragen würden: Warum mache ich das hier eigentlich? Dann sollte die Antwort im besten Fall sein, weil ich das gerne mache.“ Wer nicht glücklich in seinem Job ist, sollte den Schritt zu Veränderung wagen. „Und da sollte das Alter auf jeden Fall nicht hinderlich sein.“

Schafft Euch Seilschaften, auf die Ihr Euch verlassen könnt!

Wer den augenscheinlich perfekten und sehr langen Lebenslauf von Prof. Dr. Sylvia Heuchemer anschaut, mag nicht glauben, dass auch ihr beruflicher Werdegang keinesfalls gradlinig verlaufen ist. Die Präsidentin der Technischen Hochschule Köln sagte dann auch nach den einführenden Worten von Nicole Breidenbach zu ihrer Person über sich selbst: „Ich wundere mich dann immer, über wen sprechen sie? So ein Lebenslauf liest sich im Nachhinein so unglaublich gerade. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, ist aber so: Ich fühle mich in der Position, in der ich jetzt bin, nicht anders als nach meinem Studienabschluss, als ich mich auf den ersten Posten beworben habe.“ Eigentlich wollte sie Lehrerin für Sport und Französisch werden und ist über Umwege an der TH Köln gelandet. „Das Wichtigste ist, dass man offen bleibt, dass man neugierig ist und manchmal tun sich dann andere Wege auf.“

„Manchmal muss man nur ganz kleine Schritte gehen. Und man sollte das bleiben, was man ist. Es ist wichtig, authentisch zu sein, um das, was einen wirklich interessiert und bewegt, umzusetzen.“

  • seit 2024 Präsidentin der TH
  • hat VWL studiert, wollte eigentlich Lehrerin werden
  • Stationen bei der Deutschen Bundesbank, Dozentin, seit 2003 Prof. für VWL
  • sitzt in diversen Gremien und Aufsichtsräten

Und auch für das Amt der Präsidentin hat es erst im dritten Anlauf geklappt. Auch sie hatte Zweifel: „Ich hätte mir nie zugetraut, mal irgendwann Präsidentin der TH zu sein. Ich bin vor über zehn Jahren zum ersten Mal gefragt worden – von Männern. Und ich habe gesagt, dass ich das gar nicht kann. Und mein Kollege hat damals gesagt, der Zug hält hier nur einmal. Wenn du jetzt nicht einsteigst, dann war es das.“ Als das Amt ein paar Jahre später wieder frei wurde, habe sie sich dann beworben und sei nicht gewählt worden. Eine Kollegin von einer anderen Hochschule hat ihr dann wieder einige Jahre später in Bewerbungsrunde 3 gesagt, dass sie sich erneut auf den Posten der Präsidentin zu bewerben habe, obwohl sie selber eigentlich gar nicht mehr wollte. „Da ist mir eins klar geworden: Okay, man bewirbt sich. Aber was man braucht, sind Netzwerke. Und ich meine weniger strategische Netzwerke, wie Männer sie haben. Sondern eher so, wie wenn man eine Bergtour macht. Wie eine Seilschaft, auf die man sich verlassen kann. Man braucht Menschen, die bereit sind, mit einem einen Weg zu gehen, auf die man vertrauen kann und die einem ein ehrliches Feedback geben und einem sagen, wie sie einen wahrnehmen“, bekräftigte Sylvia Heuchemer. Es sei typisch Frau, schneller zu sagen, warum etwas nicht geht, statt Argumente dafür zu finden. Das gelte auch bei Stellenausschreibungen: Frauen bewerben sich häufig auf Stellenanzeigen nicht, weil sie denken, den Anforderungen nicht entsprechen zu können. Auch hier rät die TH-Präsidentin: „Das ist der Moment, wo man andere Menschen braucht, die gemeinsam mit einem die Stellenausschreibung anschauen und die einen kennen und die Fähigkeiten spiegeln können. Und ich glaube, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das wächst dann, wenn man den mutigen ersten Schritt gemacht hat.“

Bianca Degiorgio und Nicole Breidenbach

„Wir möchten aufzeigen, welche Karrierewege es gibt, wie man Beruf und Familie vereinbaren kann, warum ein Quereinstieg interessant sein kann und darüber sprechen, wo die eigene berufliche Reise hingehen kann.“

Begeisterung nach der Gesprächsrunde

„Ich war total neugierig auf die Podiumsdiskussion, um zu hören, was andere Frauen erzählen über ihre Wege, über ihre Hintergründe, über ihre Situation. Und ich fand das unglaublich bereichernd und empowernd“, zeigte sich Eventmanagerin Denia nach der Runde begeistert. Rebecca aus Lückerath arbeitet im Marketing und freute sich ebenfalls über die Inspiration: „Es ist immer schön zu hören, was bei anderen funktioniert hat. Weil was für andere funktioniert hat, kann auch für mich funktionieren.“ Industriefachwirtin Cornelia bekam durch die Diskussionsrunde Rückenwind, sich nochmal beruflich zu verändern: „Obwohl ich jetzt auch schon ein gewisses Alter habe, ist man nie zu alt. Genau das habe ich hier mitgenommen. Ich habe von den Damen gelernt, dass man sich ruhig mal trauen kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, man muss sie nur nutzen und das war schön, sowas von fremden Menschen zu hören. Ich bin aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung offen für etwas Neues und die Damen haben mich in dem Glauben bestärkt heute Abend.“ Viele erkannten sich in den Erfahrungen der Speakerinnen wieder – allgemeiner Tenor der Frauen: Es ist schön zu sehen, dass man mit vielen Themen nicht allein ist!

Frauen – unterstützt Euch mehr!

Bei Fingerfood und kühlen Getränken gingen die Frauen nach dem Panel-Gespräch in den Austausch – in Gruppen, zu zweit, an den Firmenständen, auch mit bereits erworbener Infomappe unter dem Arm oder zum Teil auf dem Weg zu den verschiedenen Workshops. Lehrerin Esther ist eigentlich beruflich für sich angekommen, trotzdem wollte sie bei dem Job-Event dabei sein: „Ich habe immer noch Bock, neue Leute kennenzulernen, auch Leute miteinander zu verbinden. Und ich bin verblüfft, wie offen und ehrlich direkt alle miteinander sind.“ Und warum gerade ein Event speziell für Frauen? „Damit wir Frauen sichtbarer werden! Außerdem sind wir untereinander ehrlicher miteinander und uns selbst gegenüber!“ Das bekräftigt auch Denia: „Ich finde es so wichtig, dass wir uns untereinander kontakten, dass wir neue Impulse sammeln und neue Menschen kennenlernen. Dann kann man sich gegenseitig eigentlich nur ergänzen und den Rücken stärken.“ Almut war jetzt längere Zeit raus aus dem Job, weil sie Mama geworden ist und hat aktuell ein Praktikum begonnen: „Das hat mich angesprochen, dass auch die Option, gerade nicht zu arbeiten, zulässig war, um zu einem Job-Event zu gehen.“ Sie möchte jetzt beruflich wieder durchstarten und dabei soll ihr das Job-Event helfen: „Ich habe viel überlegt, wenig gehandelt und das hier soll jetzt praktisch der Auftakt zum Handeln werden.“ Sabrina aus Bergisch Gladbach ist Regionalleiterin bei der IKK Classic und möchte andere Frauen unterstützen, ins Handeln zu kommen: „Ich denke, dass ich in meiner Position hier anderen Frauen weiterhelfen kann. Ich bin Führungskraft, Mutter von zwei Kindern in Teilzeit mit Abendterminen – und ja, es geht! Man kann vieles schaffen, wenn man für etwas brennt, wenn man einfach seinen Job gerne macht.“ Sabrina möchte den Frauen mitgeben, an sich zu glauben: „Eben nicht zu denken, den Anforderungen kann ich nicht gerecht werden, sondern machen! Ich habe damals auch gedacht, schaffe ich das? Man muss nur den Background haben und gut organisieren.“ Auch ihr Appell: Frauen, unterstützt Euch mehr gegenseitig!

Im direkten Austausch mit den Unternehmen

Ein Appell, den auch Franziska Sieg unterschreibt. Sie arbeitet im Recruiting beim Werkzeughersteller Pferd Tools in Marienheide, ein Unternehmen, das sich seit Tag 1 beim Frauen Job-Event präsentiert. „Ich denke, wenn Frauen sich zusammentun, können sie stärker nach außen auftreten. Deshalb finde ich es sehr schön, dass wir alle hier sind und uns gegenseitig unterstützen und in den Austausch gehen – im geschützten Rahmen, ohne Vorurteile. Denn wir sitzen doch alle im selben Boot.“ Das hat sich auch Laura Büchler, Recruiterin beim Quirlsberg Campus Bergisch Gladbach, auf die Fahne geschrieben. Frauen stapeln da gerne immer noch zu tief, sagte sie: „Ich fand die Diskussionsrunde gerade sehr gut, um nochmal das Selbstbewusstsein zu stärken. Denn Frauen trauen sich oft nicht, sich zu bewerben oder sich auch mal umzuorientieren oder auch mal ein bisschen höher zu greifen. Und ich finde, das sollten sie tun!“ Der Quirlsberg Campus ist ebenfalls seit Tag 1 beim Frauen-Job-Event dabei. „Wir freuen uns über Bewerbungen, nehmen aber auch für uns im Austausch mit den Frauen viele Impulse mit.“ Auch Manja Fiori von der Firma Tente aus Wermelskirchen schätzt diese Gespräche im geschützten Raum unter Frauen sehr: „Die Hürde ist geringer, weil man weiß, man kann von Frau zu Frau sprechen.“ Sie bietet den Frauen an ihrem Stand verschiedenste Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten im Unternehmen, aber: „Natürlich wollen wir uns hier präsentieren. Wir sind aber auch sehr interessiert daran, zu hören, was die Frauen hier bewegt und was können wir vielleicht davon auch in unseren Unternehmensalltag integrieren.“ Wie kann man als Arbeitgeber für Frauen nochmal attraktiver werden – eine Frage, mit der sich ebenfalls Anja Müller von der VR Bank Bergisch Gladbach/Leverkusen beschäftigt: „Wir haben deutlich mehr Frauen als Männer in der Belegschaft und bezeichnen uns als sehr familienfreundliches Unternehmen – deshalb war es klar, dass wir hier auch im dritten Jahr wieder dabei sind.“ Sie schätzt vor allem den direkten, ehrlichen Kontakt zu den Frauen: „Ich hatte eben erst ein Gespräch, bei dem eine Frau dann sagte, sie müsse sich jetzt ein bisschen nackig machen, weil sie spezielle Bedingungen an einen Job knüpft. Und dann habe ich gesagt, ok, dann machen wir uns auch mal nackig und wir schauen, ob wir da übereinkommen. Wir sind hier generell viel offener.“

Mit einer großen Portion Offenheit hofft auch Hanna Kleppe vom Innovation Hub Bergisches RheinLand Frauen an ihrem Stand im Foyer für die Themen IT und Technik zu begeistern. Das Förderprojekt equal.IT soll gerade die MINT-Berufe für Schülerinnen attraktiver machen. Das knüpfe perfekt an das Thema des Frauen Job-Events an, sagte Kleppe: „Wir wollen Vorurteile abbauen und sensibilisieren, dass Informatik sehr vielfältig ist, dass das jeder kann und es eben nicht typisch für Jungen ist. Mädchen sollen sich bei uns trauen, sich auszuprobieren. Und es ist auch nicht schlimm, wenn es mal nicht klappt. Es ist wichtig, dass auch in Bezug auf die Berufswahl und Karriere mitzunehmen. Und das passt wunderbar zu dem Motto heute ‚Jetzt bin ich dran!’“

Räume schaffen: Anstoß für mehr Selbstvertrauen

Es ist genau das, was auch die Organisatorinnen Bianca Degiorgio und Nicole Breidenbach den Frauen mit ihrem Job-Event bieten wollen: Einen geschützten Raum, um ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, um den Mut zu haben, sich auch mal auszuprobieren. „Und wenn man dann Frauen, denen es vielleicht schwerer fällt, einen Schritt zu machen, diesen Raum gibt, dass sie mal hier ins Gespräch gehen in sicherem Rahmen und diese Frauen es dann vielleicht schaffen, doch mal einen Schritt zu gehen – dann haben wir schon total viel erreicht“, freute sich Bianca Degiorgio. Ihr Wunsch: Dass die Frauen ermutigt und gestärkt aus dem Event gehen. Auch Nicole Breidenbach trifft immer wieder Frauen, die sich noch stark zurücknehmen: „Ich lerne oft Frauen kennen, die bringen Qualifikationen mit, da denke ich: Wow, wann hast du das denn alles gemacht? Du würdest einen Mann, wenn es um einen Job geht, damit locker ausstechen. Aber dann fehlt oft der Punkt, dass die Frauen es auch wirklich ausprobieren und sich zutrauen. Sich einzugestehen: Ich bin das wert und ich kann das genauso und ich muss da vehementer auftreten – dafür ist unser Event!“ Bianca Degiorgio erinnert sich an ein Feedback: „Mir hat eine Frau geschrieben, dass sie beim ersten Event dabei war und dadurch den letzten Kick bekommen und den Mut gefunden hat, etwas beruflich umzusetzen, was sie schon lange machen wollte. Das ist die beste Rückmeldung, die wir kriegen können.“

Beider Antrieb: Was verändern wollen in der Gesellschaft für Frauen. Es ist noch ein langer Weg, aber das Frauen Job-Event trägt kleine Schritte dazu bei.

Kurz-Workshops & Beratung für Karriere und Selbstbewusstsein

Lena Horstmann, Inhaberin
Find the Best Recruit

Lena’s Appell: Bewerbt Euch, auch wenn ihr nicht 100 Prozent der Anforderungen erfüllt. Die Perspektive des Recruiters: Die ersten 10 Sekunden machen den ersten Eindruck aus und sind entscheidend, ob der Bewerber weiterkommt.

Lena’s Tipps für die Bewerbung: Keine Rechtschreibfehler, klar strukturiert sein und Anweisungen folgen, die man in der Stellenbeschreibung findet. Karriereseiten besuchen und vorher überlegen: Passt das Unternehmen zu mir und ich zu ihnen?

Sibylle Kaminski, Businesscoachin
und Trainerin

Silke hat den Workshop besucht – ihr Learning: Die Körpersprache ist ausschlaggebend. An erster Stelle steht der Body Talk, an zweiter Stelle der Small Talk, an dritter der High Talk – das, was Frauen gerne machen: Sehr viel reden, alles erklären und dabei auch immer schneller werden.

Die Tipps: Auf die Körperhaltung achten, Raum einnehmen, langsam sprechen, sich groß machen. Und: Sicheres Auftreten üben – es ist ok, wenn das nicht von heute auf morgen funktioniert. Übung macht die Meisterin!

Katharina Schnell, Verhandlungscoachin
und Personalmanagerin

Katharina weiß, wie man mit mehr Gelassenheit und Klarheit seine beruflichen Ziele verhandelt. Gute Vorbereitung und eine klare Struktur führen zum Ziel. Tipp: Nutze deine Stärken in Verhandlungen.

Und: Auch Verhandlungsgespräche sind Übungssache. Jacqueline und ihre Freundin sind froh, dabei zu sein. Ihnen ist wichtig, sich mit den eigenen Fähigkeiten zu beschäftigen und nochmal zu schauen, wo man Kompetenzen erweitern und ausbauen kann.

Wir danken allen beteiligten Unternehmen, Beratungsinstitutionen und und Trainerinnen der Workshops:

Appenfelder GmbH, AWO Rhein-Oberberg e.V., FERCHAU GmbH, LANG AG, MDT  TECHNOLOGIES GmbH, Oberbergischer Kreis, PFERD, Quirlsberg Diakonischer Gesundheitscampus, Rheinischen Gesellschaft für Diakonie, Stiftung Die Gute Hand, TENTE, VR Bank eG Bergisch Gladbach-Leverkusen sowie der Agentur für Arbeit, dem Innovation Hub Bergisches RheinLand und dem StartRaum GL.

Text: Nicole Schmitz
Fotos: Eva Backes

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