120 von einer Million
Prüflinge des Justizministeriums Nordrhein-Westfalen, hier in Köln von IQUL organisiert und betreut
508 Tische, 508 Stühle, 508 Laptops in der Messehalle Linz – und 508 Mediziner, die ihre Prüfung zum Facharzt ablegen. Es war die bislang teilnehmerstärkste Prüfung, die das Bergisch Gladbacher Unternehmen IQUL in einem Raum umgesetzt hat. Doch verlieren sich diese 508 in über einer Million Prüfungsteilnehmende seit der Gründung im Jahr 2011. Und es werden immer mehr – allein im vergangenen Jahr waren es 290.000.
„Ab Ende 2027 wollen wir über eine Million im Jahr schaffen“, sagt Geschäftsführer Dr. Jonas vor dem Esche. Der Kundenstamm von IQUL wächst stetig. 130 Kolleginnen und Kollegen kümmern sich inzwischen um digitale Prüfungen. Den Kunden geht es um Sicherheit, Individualisierung und Nutzererlebnis, und noch mehr um standardisierte Qualität und Chancengleichheit.
IQUL ist aktueller „Top 100 Innovator 2026“, der einzige Innovationswettbewerb, der auf einem unabhängigen, wissenschaftlich fundierten Verfahren beruht.
Seit 1993 vereinigt der Innovationswettbewerb TOP 100 die innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands aus allen Branchen und Wirtschaftszweigen. Die Preisträger werden durch ein unabhängiges, wissenschaftliches Benchmarking ermittelt.
„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung“, sagt Jonas vor dem Esche (links im Bild mit Daniel Möbs, beide Geschäftsführer). „Innovation bedeutet bei IQUL nicht Geschwindigkeit um jeden Preis, sondern durchdachte Weiterentwicklung. Unsere digitalen Prüfungen müssen zuverlässig, rechtssicher und fair sein. Dass unser Weg nun ausgezeichnet wird, bestätigt unseren Anspruch, Qualität und Innovation konsequent zusammenzudenken.“
Sein besonderer Dank gilt dabei dem Team: „130 Kolleginnen und Kollegen, die täglich an Lösungen arbeiten, Prozesse hinterfragen, Details verbessern und Verantwortung übernehmen. Diese Auszeichnung ist das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit.“
IQUL GmbH
Friedrich-Ebert-Straße 75
Haus 27 / Ebene 10
51429 Bergisch Gladbach
Tel. +49 2204 585-0
support@iqulde
www.iqul.com
Kundenstamm wächst stetig
Neben Hochschulen zählen zu den Kunden über 70 Industrie- und Handelskammern in Deutschland, Handwerkskammern und Verbände sowie die Justizministerien der Bundesländer – elf von 16 lassen die Prüfung zum ersten und zweiten Staatsexamen der Juristen digital von IQUL durchführen. In diesem Jahr werden die Bergisch Gladbacher erstmalig in zehn Bundesländern die Steuerberaterprüfung digitalisieren. 2027 werden es alle Steuerberaterkammern in Deutschland sein – bundesweit ca. 5.000 Prüflinge gleichzeitig an drei Prüfungstagen.
Die Frage nach dem Geheimnis des Erfolgs liegt nahe. Das Alleinstellungsmerkmal liegt im Geschäftsmodell. IQUL entwickelt nicht nur Software, sondern ergänzt die Technologie durch Dienstleistungen. Das beginnt mit der ersten Beratung und geht bis zum Full-Service bei der Durchführung.
3.000 Laptops für Prüfungen im Pop-up-Modus
„Auch wenn das Interesse der Kunden an einer digitalen Prüfung hoch ist, sind viele gar nicht in der Lage, Personal, Budget und Technik für die Umsetzung zu stellen“, erklärt Jonas vor dem Esche. Die Lösung von IQUL: Pop-up-Testcenter. So wie eine Pop-up-Werbung am Bildschirm oder ein Pop-up-Biergarten im Sommer, lässt ein IQUL-Team ein Testcenter in Hörsälen, Hotels, Messehallen oder auch schon mal im botanischen Garten aufpoppen.
Ein Team besteht aus zwei bis vier Mitarbeitenden und der kompletten Technik. „Dafür halten wir derzeit 3.000 Laptops bereit“, sagt der Geschäftsführer. „Ende des Jahres sind es vielleicht 4.000.“ Kabelsalat gibt es bei IQUL-Prüfungen nicht – die Akkus müssen für alle Eventualitäten gerüstet sein.
Die Prüfungsteams fahren mit dem Sprinter zum Prüfungsort, bauen auf und übernehmen die zentrale technische Steuerung und Überwachung. „Die technische Hoheit liegt bei uns, die fachliche Aufsicht, etwa Identitätsnachweise, bleibt beim Kunden“, so vor dem Esche.
Gut sortierter Aufbau
Technik für Tische
Wie frage ich meine Prüflinge?
Doch bis die Teilnehmenden sich für ihre erste digitale Prüfung an den Laptop setzen, sind bereits viele Schritte vorangegangen. „Die erste Herausforderung besteht darin, das richtige Format für das jeweilige Gewerk zu gestalten“, erläutert der Geschäftsführer. Mediziner brauchen viel Wissen und erhalten viele Multiple Choice-Aufgaben. Bei MINT-Fachrichtungen muss während der Klausur gerechnet und gezeichnet werden. Kfz-Mechatroniker brauchen vielleicht ein Bild vom Otto-Motor und der Tierarzt ein Video mit einem lahmenden Pferd. Es gibt automatisch auswertbare Aufgabentypen bis hin zu langen Freitexteingaben. Viele Aufgabenformate wären auf Papier gar nicht möglich.
Höhere Qualität der Prüfungen als auf Papier
Ein Rechte- und Rollenmanagement sichert die Aufgabeneingabe, die die Prüfer 24/7 tätigen können. Die Qualität und Hoheit der Prüfungsinhalte liegt ausschließlich beim Prüfungsersteller. Er hat die volle Kontrolle über die Inhalte, nutzt jedoch Blueprint-Regeln als Leitplanken, um sicherzustellen, dass die Prüfung standardisiert bleibt und die geforderten Qualitätskriterien (wie Validität und Fairness) erfüllt werden.
„Damit liegen erstmals digitale Daten vor – und mit diesen lässt sich bereits arbeiten“, sagt vor dem Esche. Wer hat wie viele Aufgaben gestellt? Waren sie vergleichsweise schwieriger oder einfacher? Peer-Reviews können stattfinden: zum Beispiel ein Mediziner stellt eine Aufgabe und ein oder zwei andere begutachten sie und können Änderungsvorschläge machen.
Reputation zwischen Fluch und Segen
„Prüfung ist ein lebensveränderndes Ereignis – danach öffnen sich Türen, die vorher zu waren“, sagt Jonas vor dem Esche. Es geht hier nicht um Nebensächlichkeiten. Dementsprechend sind die Anforderungen an die digitale Umsetzung der Prüfungen extrem hoch. Vertrauen ist das wertvollste Kapital – und gleichzeitig das größte Risiko. Ein Reputationsverlust, wenn etwas schief ginge, hätte immense Auswirkungen.
Hard- und Software-Festung gegen Ausfälle
„Die Technik muss immer über jeden Zweifel erhaben sein, sonst fällt das Kartenhaus in sich zusammen“, formuliert Jonas vor dem Esche ans Sprichwort angelehnt. Eigentlich aber sei das „kein Kartenhaus – das sind dicke Betonsäulen.“
IQUL bietet die Abwicklung über eigene Server an, was auch meist genutzt wird. Sie arbeiten ohne Internetverbindung, mit autonomem WLAN und sind ausgestattet mit unabhängiger Stromversorgung. Zur Sicherheit überwacht eine Software in Echtzeit alle Laptops und kann Signalstärke, Akkukapazität und Aktivität messen.
Während der Prüfung werden die eingegebenen Daten vor Ort kontinuierlich und redundant auf dem Server gespeichert. Das Logging erlaubt eine genaue Nachverfolgung und Reproduzierfähigkeit des User-Verhaltens. „Alles wird geloggt. Jedes Zeichen fließt in ein Protokoll auf dem Server, das alle vier bis zehn Sekunden gespeichert wird“, sagt Jonas vor dem Esche.
Menschen für Menschen
„Die Nervosität der Prüflinge ist sehr hoch“, erzählt er. „Die Teams erleben immer wieder Stresssituationen, wenn die Prüfungssituation den Menschen an die Substanz geht.“ Bei jedem geht es um viel. Da kann auch mal etwas schief gehen, wie etwa das versehentliche Löschen von Teilen der eigenen Arbeit. In solchen Fällen hilft das Team umgehend – und auch das kontinuierliche Logging. „Kurz neu anmelden und das war’s“, sagt vor dem Esche.
Schummeln zwecklos
Nicht nur, dass die Tische meist recht weit auseinanderstehen. Die Prüfung lässt sich so randomisieren, dass sich ein Blick auf den Nachbarbildschirm nicht lohnt. Sie tauscht beispielsweise bei Sitznachbarn die Reihenfolge der Fragen oder die der Antworten bei Multiple Choice-Aufgaben. Menschliche, aber unfaire Reaktionen unterbindet ebenfalls der Log. „Wenn man merkt ‚das wird nichts‘ und dann Wasser über seine Tastatur kippt, hilft das auch nichts“, sagt vor dem Esche.
IQUL bietet auch Online-Prüfungen an, allerdings ist hier die Schummel-Mauer niedriger; zumindest wenn es DSGVO-konform zugehen soll – und das ist bei IQUL gesetzt.
Bildungsgerechtigkeit: Gleiche Chance für alle
Während der Prüfung haben also alle die gleichen Bedingungen und die gleichen Chancen. Die Prüfung ist barrierefrei. Je nach individueller Herausforderung bei den Prüflingen können zum Beispiel spezielle Bildschirme eingesetzt werden, es kann eine Braille-Tastatur verwendet werden und Spracheingabe ist möglich.
Die Auswertung der Prüfungen durch den oder die Prüfer erfolgt anonym. Der Prüfer weiß nicht, von wem seine gerade korrigierte Prüfung abgelegt wurde. Dadurch wird jegliche Voreingenommenheit ausgeschlossen. Unbewusste (oder bewusste) Vorurteile, Befangenheit oder Sympathiebonus haben keine Chance. “Digital ist einer schriftlichen Papierlösung in allem überlegen, was Fairness und Bildungsgerechtigkeit angeht“, fasst vor dem Esche zusammen.
Korrekturen schneller und aussagekräftiger
Der dritte Teil der Software unterstützt die digitale Korrektur der Prüfungsarbeiten. Automatisierte Aufgaben wie Multiple Choice brauchen nicht mehr bearbeitet zu werden. Für Volltextteile stehen den Prüfern – ähnlich dem Kommentarmodus bei Word – Funktionen wie Unterstreichen, Häkchen und Kommentare zur Verfügung. Musterlösungen unterstützen, dass mehrere Prüfer bei einer Aufgabe die gleiche Punktzahl für die gleiche Leistung vergeben. Die Software kann Korrekturvorschläge machen oder wiederkehrende Kommentarsätze automatisch einsetzen.
„Unsere Statistiken können nach der Prüfung mit den Vorjahren verglichen werden oder auch Informationen geben, wie die, welche falsche Antwort am häufigsten war“, sagt vor dem Esche. Auch anonymes Feedback der Prüflinge wie ‚Diese Aufgabe wurde nicht gelehrt‘ steht zur Verfügung. „Solche Transparenz ist für die Prüfer neu und vielleicht ungewohnt. Sie hat aber hohes Potenzial, um kontinuierlich die Qualität und die Fairness der gestellten Aufgaben zu erhöhen“, fasst er zusammen.
„Die Menschen, die bei uns arbeiten, sind motivationsgetrieben. Sie möchten dort arbeiten, wo sie einen Sinn in ihrem Tun sehen.“
Dr. Jonas vor dem Esche
Wachstum hat seine Herausforderungen
Gegründet wurde IQUL 2011 von seinem Vater Johannes, der inzwischen im Ruhestand ist und Daniel Möbs, der bis heute geschäftsführender Gesellschafter ist. Jonas vor dem Esche stieß 2015 dazu, und leitet als Geschäftsführer die Bereiche Produktion, Geschäftsentwicklung und Marketing.
Das stetige Wachstum des Unternehmens ist eine Herausforderung für die Führung. Zunächst gilt es, ebenso stetig qualifiziertes Personal zu finden. Eine Karriereseite mit selbstgedrehten Videos wurde erstellt; parallel in Mitarbeiter- und Kulturentwicklung investiert. Aus der Gruppe heraus erwuchs die Formulierung einer Vision „Jeder auf dem Flur kennt die“, sagt Dr. vor dem Esche. Sie lautet: „Alle haben die faire Chance, ihr Potenzial in Erfolg umzusetzen!“ Das alles zeigte Wirkung. „Fast alle, die zu uns kommen, sind visionsgetrieben“, sagt er. „Sie möchten dort arbeiten, wo sie einen Sinn in ihrem Tun sehen. Bei uns sind alle wirklich motiviert und geben ihr Bestes!“
Great Place to Work
Das jährliche Kununu-Siegel erhält IQUL schon länger, inzwischen auch das Siegel „Top rated Gehaltszufriedenheit“. Im vergangenen Jahr kam das mit viel Bewerbungsaufwand verbundene Zertifikat „Great Place to Work“ für Unternehmen mit überdurchschnittlich guter Arbeitsplatzkultur hinzu. Die Siegel schaffen Vertrauen – bei (potenziellen) Mitarbeitenden wie bei Kunden. „Früher haben wir unsere Mitarbeitenden fast nur über Headhunter gefunden“, sagt vor dem Esche. „Heute brauchen wir sie nur noch in Spezialfällen.“
Enden soll das Wachstum nicht – im Gegenteil
„Es gibt viele gute Gründe, dass wir das Tempo nicht reduzieren dürfen“, sagt er. Konkurrenz lauere weniger in Deutschland als eher bei den ebenfalls schnell wachsenden Unternehmen im europäischen Umfeld. Genau dorthin will IQUL nun expandieren.
„Anfangs hatten wir ein bis zwei Millionen Umsatz, letztes Jahr waren es 12,5 – in fünf Jahren sollten es 50 Millionen im Jahr sein“, so sein erklärtes Ziel. Dafür müsse IQUL „noch besser und noch sicherer“ werden. Bereits heute fließen 25 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. „Das wird nicht weniger werden“, sagt er. Schon aktuell unterstützt KI die Prüfungen bei der Aufgabenerstellung und Korrektur. Sprünge sind erwartbar.
„Bislang sind wir mit dem finanziellen Background ein ganz normaler Familienbetrieb“, sagt Jonas vor dem Esche. „Gegebenenfalls wird nun aber Venture Capital für die Internationalisierung und weitere Entwicklung eine Alternative.“
Damit steht IQUL vor dem nächsten Entwicklungsschritt – mit dem klaren Ziel, die digitale Prüfungswelt auch international nachhaltig zu prägen.
Text: Karin Grunewald
Fotos: IQUL GmbH
Geschäftsführer der IQUL : Dr. Jonas vor dem Esche und Daniel Möbs
Ihr Ziel: über eine Million Prüflinge im Jahr




